Anfallsartiges Herzrasen, Extrasystolen oder plötzliche Tachykardien können stark verunsichern. In dieser Sprechstunde erklärt ein Kardiologe verständlich die Unterschiede zwischen einem verdeckten WPW‑Syndrom und einer fokalen atrialen Tachykardie. Er ordnet die Beschwerden ein und erläutert, wann eine medikamentöse Behandlung ausreicht und wann eine elektrophysiologische Untersuchung sinnvoll ist.
Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:
Seit einigen Jahren habe ich – eine gerade 40 Jahre alt gewordene Herzpatientin – immer wieder Extrasystolen. Deshalb hatte ich auch wiederholt Langzeit-EKGs (Elektrokardiogramme) und Ultraschalluntersuchungen des Herzens. Nie wurde etwas Auffälliges diagnostiziert.
Nun hatte ich eine Tachykardie, also Herzrasen, das nach vielen Stunden mit Adenosin beendet wurde. Es wurden viele Vermutungen angestellt, was das ausgelöst hat. Zum einen hatte ich gleichzeitig Covid und zum anderen hatte ich eine Woche vorher begonnen, Hydroxychloroquin aufgrund einer Hauterkrankung zu nehmen. Dies habe ich zwischenzeitlich wieder abgesetzt.
Nun wurde vom Kardiologen entweder ein angeborenes verdecktes Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW) vermutet oder eine fokale atriale Tachykardie (FAT). Es wurde eine abwartende Haltung empfohlen, mit Einnahme von Bisoprolol, allerdings sinkt mein Blutdruck bei fünf Milligramm sehr stark ab und ich bekomme Schwindel, weshalb ich nur zweieinhalb Milligramm nehme. Nun ist wieder eine Tachykardie, nach drei Monaten, aufgetreten. Diese dauerte etwa zwei Minuten.
Es wurde die Möglichkeit einer elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) von den Kardiologen angesprochen. Dies ist bei mir mit sehr viel Angst verbunden. Ebenso auch die Tachykardie, wenn das Herz zu schnell schlägt. Es bereitet mir schreckliche Angst. Ich habe kleine Kinder und Angst, vor ihren Augen eines Tages einfach umzukippen und zu sterben.
Können Sie mir bitte die Unterschiede zwischen verdecktem WPW-Syndrom und einem FAT erklären? Was sind die jeweiligen Folgen und sind diese lebensbedrohlich? Für Information und Einschätzung bin ich sehr dankbar. (Eva R., Leipzig)
Expertenantwort:
Das Auftreten relevanter Herzrhythmusstörungen bei Behandlung von Covid-19-Patienten mit Hydroxychloroquin (zum Beispiel wie bei Ihnen wegen einer gleichzeitig aufgetretenen Hauterkrankung) hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zur Herausgabe einer ausdrücklichen Warnung veranlasst! In mehreren Beobachtungsstudien wurden bereits bekannte Nebenwirkungen von Hydroxychloroquin bestätigt, die Herzrhythmusstörungen und Herzstillstand einschließen, deshalb ist das Absetzen und der zukünftige Verzicht auf Hydroxychloroquin in Ihrem Falle nur folgerichtig!
Zur Vermutung eines WPW-Syndroms:
Typisches Symptom der beiden oben genannten Krankheiten (WPW und FAT) ist das anfallsartige Herzrasen. Beim WPW-Syndrom geht im Bereich des Vorhofes zusätzlich zu dem normalen Reizleitungssystem ein weiteres Leitungsbündel ab, es stellt eine zweite Verbindung zwischen Vorhof und Kammer her. So kann es zwischen Kammer und Vorhof zu einer kreisenden Erregung mit Herzrasen kommen (Tachykardie) mit Frequenzen zwischen 160 und 240 Schlägen pro Minute.
Manchmal leitet das zusätzliche Bündel die elektrischen Impulse schneller als das normale Reizleitungssystem, dann erfolgt die Erregung der Kammer vorzeitig über das Zusatzbündel. Diese Erregung heißt Präexzitation, in vielen Fällen harmlos und unbemerkt. Gefährlich wird es jedoch, wenn gleichzeitig Vorhofflimmern vorliegt, dann besteht die Gefahr von Herzstillstand bei Kammerflimmern. Läuft die Erregung von der Kammer über das zusätzliche Leitungsbündel auf den Vorhof, dann findet sich keine typische Veränderung im EKG (Delta-Welle), sodass man in diesem Fall von verstecktem WPW-Syndrom spricht. Erstmaßnahmen bei Herzrasen sind Pressen in den Bauch hinein oder Trinken von kaltem Wasser, um den Nervus vagus zu aktivieren, dadurch gelingt es manchmal, das Herzrasen zu unterbrechen.
Weiterhin ist eine Unterbrechung der Tachykardie durch bestimmte Medikamente unter EKG-Monitoring möglich, bei wiederholten schnellen Tachykardien ist eine Behandlung durch eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU) mit Katheterablation der Goldstandard. Die Heilungsrate liegt bei 95 Prozent.
Zur Vermutung einer FAT (fokale atriale Tachykardie):
Das Herzrasen geschieht durch wiederholte Fehlimpulse von Vorhofmuskelzellen (falsche Zündkerze, die zu schnell feuert). Anfallsartige Vorhoftachykardien zählen zu den häufigen, aber harmlosen Herzrhythmusstörungen. Die Erfolgsrate einer Katheterverödung bei der FAT liegt bei 60 bis 80 Prozent, deshalb wird diese oft zunächst medikamentös behandelt und man wartet den Verlauf ab.
Bewertung:
Bislang lediglich Nachweis von Schmalkomplex-Tachykardien mit maximaler Frequenz bis 160 Schläge pro Minute. Bei fehlender kardialer Grunderkrankung sind diese Tachykardien subjektiv unangenehm, aber nicht gefährlich!
Ein abwartendes Verhalten mit Einnahme von Bisoprolol 2,5 Milligramm und Steigerung des Vagotonus bei Auftreten der Tachykardie macht Sinn, bei Zunahme der Anfälle dann eine elektrophysiologische Untersuchung in Betracht ziehen.
Experte
Dr. med. Heinrich Hoetz ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Kardiologie in Meppen und langjähriges Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung.
Herzrasen bei Herzfehler