Beim Vorhofseptumdefekt (ASD, Atriumseptumdefekt oder atrialer Septumdefekt) befindet sich ein Loch zwischen den Vorhöfen. Je nach Größe des Lochs gelangt das sauerstoffreiche Blut, das aus der Lunge kommt, nicht vollständig in den Körperkreislauf, sondern erneut in den Lungenkreislauf (sogenannter Shunt). Es hängt vom Ausmaß der Symptome und der Größe des Defekts ab, ob ein Eingriff notwendig ist.
Was ist ein Vorhofseptumdefekt?
Der Vorhofseptumdefekt ist eine Fehlbildung, bei der die Trennwand zwischen den beiden Vorhöfen eine oder mehrere offene Stellen aufweist. Durch diese kann ein Teil des sauerstoffreichen Blutes fälschlicherweise vom linken in den rechten Vorhof und weiter zur Lunge zurückfließen. Dies wird als Links-Rechts-Shunt bezeichnet. Der Vorhofseptumdefekt ist nach dem Kammerscheidewanddefekt der zweithäufigste Herzfehler mit Links-Rechts-Shunt.
In vielen Fällen geht die Überdurchblutung der Lungenblutbahn mit einer vermehrten Neigung zu Atemwegsinfekten einher. In sehr seltenen Fällen kann der zusätzliche Blutstrom in die Lunge im Säuglingsalter einen gefährlichen Lungenbluthochdruck verursachen. In etwa 30 Prozent der Fälle ist der Septumdefekt Teil eines komplexeren Herzfehlers.
Welche Typen von Vorhofseptumdefekten gibt es?
Je nach ihrer Position und Größte teilt man Vorhofseptumdefekte in verschiedene Typen ein. Diese unterscheiden sich in Entstehung, Häufigkeit und Verlauf – und damit auch in ihrer Behandlung.
- Vorhofseptumdefekt vom Secundum-Typ (ASD II)
- Vorhofseptumdefekt vom Primum-Typ (ASD I)
- Vorhofseptumdefekt vom Sinus-venosus-Typ
Zählt das PFO auch zu den Vorhofseptumdefekten?
Ein PFO (persistierendes Foramen ovale) ist zwar ebenfalls ein Loch in der Herzscheidewand, streng genommen ist es aber kein Defekt. Es handelt sich vielmehr um ein Überbleibsel des Foramen ovale, einer natürlichen Öffnung zwischen den Herzvorhöfen, die beim Fötus für die Sauerstoffversorgung sorgt. Nach der Geburt verschließt sie sich bei etwa 75 % der Menschen von selbst. Bleibt sie jedoch bestehen, spricht man von einem PFO.
Im Gegensatz zum ASD hat ein PFO meist keine relevanten Auswirkungen auf den Blutkreislauf und erfordert häufig keine Therapie. In bestimmten Fällen kann ein Verschluss des PFO jedoch nötig werden, um das Risiko für einen Schlaganfall zu senken.
Wie wird der Vorhofseptumdefekt behandelt?
Die Leitlinien der Fachgesellschaften empfehlen, dass ein großer Defekt, der schwere Symptome verursacht, frühzeitig verschlossen werden sollte. Bei Kindern ohne oder mit nur leichten Symptomen erfolgt die Behandlung im Kleinkindalter. So wird sichergestellt, dass Spätfolgen wie Herzrhythmusstörungen oder eine Erhöhung des Blutdrucks in der Lunge vermieden werden. Berücksichtigt werden sollte, dass kleinere Defekte sich im Laufe der ersten beiden Lebensjahre noch so stark verkleinern können, dass eine Behandlung nicht erforderlich ist.
Bei der Mehrheit der Vorhofseptumdefekte vom Secundum-Typ (ASD II) ist heute keine Operation am offenen Herzen mehr erforderlich, soweit nicht ein weiterer Herzfehler vorhanden ist. Es genügt ein Katheter-Eingriff. Handelt es sich um eine der übrigen zwei Unterformen (Primum- oder Sinus-venosus-Typ) ist eine Operation am offenen Herzen erforderlich. Hier erfolgt der Verschluss des Defekts fast immer mit einem Patch (kleiner Gewebelappen).
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Vorhofseptumdefekt
Experte
Dr. med. Niklas Gäbler ist Facharzt am Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Angeborene Herzfehler und pädiatrische Kardiologie.