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Hohes Cholesterin? Statine senken Cholesterinwerte zuverlässig

Wie Statine Cholesterin senken und welche Nebenwirkungen möglich sind

Aktualisiert: 26.09.2023

Arzt-Patienten-Gespräch
Alexander Raths - stock.adobe.com

Zu hohes LDL-Cholesterin? Statine sind Cholesterinsenker erster Wahl, wenn es darum geht, Cholesterinwerte zu normalisieren. Doch viele Patientinnen und Patienten sind unsicher bei der Einnahme. Wie Statine LDL-Cholesterin senken – und welche Nebenwirkungen Sie kennen sollten.

LDL-Cholesterin: Statine reduzieren Herz-Kreislauf-Risiko

Erhöhte LDL-Blutwerte sind die wesentliche Ursache von Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose), die schwerwiegende Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall nach sich ziehen. Statine sind die am häufigsten verschriebenen Cholesterinsenker. In Deutschland verordnete Statine sind u.a. die Wirkstoffe: Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pitavastatin, Pravastatin, Rosuvastatin, Simvastatin.

Wann verschreibt der Arzt Statine?

Viele Patientinnen und Patienten fühlen sich unwohl bei dem Gedanken, langfristig Medikamente einzunehmen. Sie fürchten Nebenwirkungen und möchten zuerst versuchen, mit einem gesunden Lebensstil die Cholesterinwerte zu regulieren. Das ist auch generell ein erster wichtiger Schritt für die Herzgesundheit. Doch gerade die Ernährung hat – in Abhängigkeit vom Ausgangszustand – oft nur geringen Einfluss auf die LDL-Cholesterin-Werte. Je nach Höhe der LDL-Werte und dem persönlichen Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, wird der Arzt daher ergänzend Cholesterinsenker wie Statine empfehlen.

Da der Einfluss hoher LDL-Werte auf Herzschäden immer deutlicher durch Untersuchungen belegt werden konnte, wurden in den neuen Leitlinien der Europäischen Gesellschaften für Kardiologie (ESC, European Society of Cardiology) und der Europäischen Gesellschaft für Atherosklerose (EAS, European Atherosclerosis Society) aus dem Jahr 2019 auch die Zielwerte für das LDL-Cholesterin in verschiedenen Diagnosegruppen nochmals abgesenkt. Danach sollte 

  • bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall durchgemacht oder an einer durch Arteriosklerose bedingten kardiovaskulären Erkrankung leiden, der Ausgangs-LDL-Cholesterinwert um mindestens 50 % gesenkt und möglichst unter 55 Milligramm pro Deziliter Blut (mg/dl) bzw. 1,4 Millimol pro Liter (mmol/l), gesenkt werden. Dies gilt auch für Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK), die noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall durchgemacht haben,
  • bei Personen ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber mit hohem kardiovaskulären Risiko, der Ausgangs-LDL-Cholesterinwert um mindestens 50% gesenkt und möglichst unter 70 Milligramm pro Deziliter Blut (mg/dl) bzw. 1,8 Millimol pro Liter (mmol/l) gesenkt werden. Auch ihnen wird der Arzt die Einnahme von Statinen empfehlen.
  • Bei Personen mit mittlerem Risiko sollte der LDL-Cholesterinwert unter 100 mg/dl (2,6mmol/l) abgesenkt werden.
  • Bei Personen mit niedrigem Risiko sind LDL-Cholesterinwerte von unter 116 mg/dl empfehlenswert. Das betrifft beispielsweise Patienten mit Diabetes, aber auch Personen mit weiteren Risikofaktoren wie erhöhtem Blutdruck, Personen mit Verwandten ersten Grades, die einen Herzinfarkt, eine Bypassoperation oder einen Schlaganfall hatten, und Personen, die das Rauchen trotz ernsthafter Versuche nicht aufgeben können.

Wie wirken Statine gegen hohe Cholesterinwerte?

Wirkstoffe aus der Gruppe der Statine, wie Atorvastatin, Rosuvastatin und Simvastatin hemmen das Enzym HMG-CoA-Reduktase, das im Körper für die Cholesterinbiosynthese zuständig ist. Cholesterin an sich ist unter anderem ein wichtiger Bestandteil von Zellmembranen. Doch eine hohe Cholesterinmenge im Blut, vor allem an LDL-Cholesterin, ist für die Gefäße schädlich. Die Enzymhemmung sorgt nun dafür, dass Leberzellen (Hepatozyten) kompensatorisch mehr LDL-Rezeptoren bilden, die dann wiederum mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut in die Zelle aufnehmen können. Die Folge: Die Cholesterinmenge im Blut sinkt. So wird auch verhindert, dass sich das LDL-Cholesterin in den Wänden der Blutgefäße einlagert. Zudem werden Entzündungsprozesse in diesen Ablagerungen gebremst. Der Wirkmechanismus der verschiedenen Statine ist gleich, allerdings bestehen Unterschiede im Ausmaß der möglichen LDL-Cholesterinsenkung zwischen den verschiedenen Statinen. Am stärksten wirksam ist Rosuvastatin, gefolgt von Atorvastatin, Simvastatin, Lovastatin, Pravastatin und Fluvastatin.

Gibt es Alternativen zu Statinen?

Eine effektive Senkung des LDL-Cholesterins lässt sich durch Ezetimib und PCSK9-Hemmer (Evolocumab, Alirocumab, Inclisiran) erreichen. Diese Wirkstoffe können ohne Weiteres mit Statinen kombiniert werden, beispielsweise, wenn mit Statinen allein keine ausreichende Cholesterinsenkung erreicht wird. Allein oder kombiniert mit Ezetimib und/ oder Statinen kann auch der Wirkstoff Bempedoinsäure eingesetzt werden, eine Substanz mit statinähnlichem Wirkprinzip. Die Studien-Ergebnisse für Fibrate sind nicht eindeutig, es konnte keine Verminderung von Herzinfarkten durch Fibrate zusätzlich zu Statinen gezeigt werden. In seltenen Einzelfällen ist die Kombination von Statinen mit den Fibraten Bezafibrat und Fenofibrat unter ärztlicher Abwägung möglich, weil das Risiko von muskelbedingten Nebenwirkungen damit nur gering erhöht ist. Der Wirkstoff Gemfibrozil sollte hingegen aufgrund von zahlreichen Medikamenten-Interaktionen gar nicht eingesetzt werden.

Statine: Vorsicht vor Wechselwirkungen mit Medikamenten

Es gibt Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Statinen und anderen Medikamenten. Zum Beispiel kann die Kombination von Simvastatin mit den Calciumantagonisten Verapamil, Diltiazem, Amlodipin, dem Rhythmusmedikament Amiodaron, den Antibiotika Erythromycin und Clarithromycin und bestimmten HIV-Medikamenten (HIV-Protease-Inhibitoren) das Risiko von Muskelbeschwerden erhöhen. Umgekehrt können Statine die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. In jedem Einzelfall muss der Arzt entscheiden, ob die Kombination zwingend notwendig ist oder eventuell eine Veränderung der Statindosis oder ein anderes Statin sinnvoll ist. Bekannt ist zudem die Wechselwirkung von Grapefruit und Grapefruitsaft auf bestimmte Medikamente. Bei den Statinen besteht sie allerdings nur bei Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin. Bei der Einnahme dieser Statine sollte wegen des erhöhten Risikos für Muskelbeschwerden auf häufige und große Mengen von Grapefruit und Grapefruitprodukten verzichtet werden. Dagegen sind Rosuvastatin, Pravastatin und Fluvastatin mit Grapefruit und Grapefruitprodukten vereinbar.

Statine: Nebenwirkung Muskelschmerzen

Im Allgemeinen werden die Statine gut vertragen und weltweit von Millionen Patienten problemlos über Jahre eingenommen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Statinen gehören Muskelschmerzen – allerdings sind diese generell häufig und daher nicht immer eindeutig auf die Statineinnahme zurückzuführen. Treten Muskelbeschwerden oder andere Symptome bei der Einnahme auf, sollten Patientinnen und Patienten mit ihrem Arzt sprechen. Oftmals lassen nach einer Umstellung auf ein anderes Statin die Beschwerden nach. Die schwerste, aber extrem seltene Nebenwirkung der Statine ist ein Muskelverfall, die Rhabdomyolyse. Schätzungsweise treten ein bis drei Fälle ein, wenn 100.000 Patienten ein Jahr lang Statine einnehmen. Die Rhabdomyolyse lässt sich wegen sehr starker Muskelschmerzen, ausgeprägter Muskelschwäche, wegen des bräunlich gefärbten Urins sowie durch das Auftreten von Fieber, Unwohlsein und Erbrechen frühzeitig erkennen. Zu den weiteren seltenen Nebenwirkungen von Statinen gehören Magen-Darm-Beschwerden, erhöhte Leberwerte sowie erhöhte Blutzuckerwerte. Das Risiko unter Statinen einen Diabetes mellitus zu entwickeln, ist minimal erhöht. In der Regel überwiegt der Nutzen der Einnahme sehr deutlich.

Was tun bei Statin-Unverträglichkeit?

Bei dauernden Muskelbeschwerden muss das Enzym Creatinkinase (CK) kontrolliert werden. Ausschlaggebend ist der vom untersuchenden Labor angegebene Normbereich. Ist Creatinkinase über das Vierfache der oberen Grenze des Normwerts erhöht, sollte das Statin abgesetzt und eine Behandlungspause eingelegt werden. Nach einer Pause von etwa sechs Wochen kann man dann auf ein anderes Statin ausweichen. Ist das erfolglos, kann man testen – mit einer sehr niedrigen Dosis beginnend – was die höchste Statindosis ist, die der Patient verträgt. Wenn damit das LDL-Cholesterin nicht ausreichend gesenkt wird, kann Ezetimib, Bempedoinsäure oder ein PCSK9-Hemmer zusätzlich gegeben werden.

Statine: Cholesterinsenker und Gefäßschützer

Statine wirken nicht nur cholesterinsenkend, sondern auch entzündungshemmend. Außerdem sind sie in der Lage, gefährliche Ablagerungen (Plaques) an den Gefäßwänden zu stabilisieren. So sinkt das Risiko, dass Ablagerungen einreißen und sich gefährliche Blutgerinnsel (Thromben) bilden, die ein Gefäß verstopfen können. Solche Thromben sind nicht selten Ursache für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die Wahrheit über Statine: 20 Irrtümer aufgeklärt

Die Deutsche Herzstiftung deckt die 20 gängigsten Missverständnisse auf und gibt Klarheit über ihre tatsächliche Wirkung.

Experte

Univ.-Prof. Dr. med. Ulrich Laufs
Portrait von Prof. Ulrich Laufs

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Ihre Fragen

  1. Eines der am häufigsten verordneten Cholesterin Senker ist Simvastatin. Lesen Sie, wie die richtige Dosierung erfolgt.

    Helmut Gohlke

    Prof. Dr. med.

  2. Zu welcher Tageszeit die Einnahme eines Medikaments erfolgen sollte, hängt von verschiedenen Dingen ab.

    Rüdiger Hopf

    Prof. Dr. med.

  3. Für manche Menschen sind Statine zur Senkung des LDL-Cholesterins nicht geeignet, weil sie unter Nebenwirkungen leiden. Gibt es Alternativen?

    Helmut Gohlke

    Prof. Dr. med.

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1. JAMA Netw Open. 2021;4(6):e2113186. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.13186

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