Ungewöhnlich kurze oder auch sehr lange Schlafzeiten gehen mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Komplikationen einher. Das wurde bereits in mehreren Studien festgestellt. Doch nicht nur die Dauer, sondern auch die Qualität des Schlafes scheint für diese Komplikationen von Bedeutung zu sein. Diesen Zusammenhang haben Forscher aus Finnland in einer wissenschaftlichen Arbeit nachgewiesen.
Herzereignisse aus zehn Jahren wurden ausgewertet
Die Forschenden werteten dazu die Daten von 3.231 Männern und Frauen im mittleren Lebensalter (im Schnitt 46 Jahre) aus Finnland aus. Ihre Schlaf- und Aktivitätsmuster wurden mit einem am Handgelenk getragenen Aktivitätsmonitor erfasst. Die Schlafregelmäßigkeit wurde über sieben aufeinanderfolgende Tage bestimmt. Dabei betrachteten die Forscher für ihre Studie drei Größen: die Zubettgehzeit, die Aufwachzeit und den sogenannten Schlafmittelpunkt, also den zeitlichen Mittelpunkt zwischen Einschlafen beziehungsweise Beginn der Schlafperiode und Aufwachen. Ziel war es, so neben dem Schlafrhythmus auch die mittlere Schlafdauer zu erfassen.
Anschließend wurden die Teilnehmenden über gut zehn Jahre nachbeobachtet und dabei schwere kardiovaskuläre Ereignisse erfasst. Dazu zählten akuter Herzinfarkt, instabile Angina pectoris, Schlaganfall, eine Krankenhausaufnahme wegen Herzinsuffizienz sowie ein kardiovaskulärer Tod.
Risiko verdoppelt sich bei unregelmäßigen Schlafenszeiten
Während der Nachbeobachtung erlitten 128 Teilnehmende ein solches Ereignis. Das entspricht vier Prozent der untersuchten Personen. Der wichtigste Befund: Diese Herzereignisse traten deutlich häufiger (etwa doppelt so häufig) bei jenen Teilnehmern auf, deren Schlafzeit im Mittel unter acht Stunden lag.
Das Risiko war auch doppelt so hoch bei jenen, deren Schlafrhythmus sehr unregelmäßig war, konkret bei Teilnehmenden, die häufig zu unterschiedlichen Zeiten zu Bett gingen bzw. einschliefen. Bei Teilnehmern mit Schlafzeiten über acht Stunden fanden die Forscher hingegen keine erhöhte Häufigkeit von kardiovaskulären Komplikationen. Ebenso wenig war die Aufwachzeit von Bedeutung.
Fazit: Auf regelmäßige Zubettgehzeiten achten
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem regelmäßige Zubettgehzeiten für die Herz-Kreislauf-Gesundheit bedeutsam sein könnten – besonders dann, wenn die Schlafdauer eher knapp ist. Das passt zu der Annahme, dass ein stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus die innere Uhr unterstützt. Diese innere Uhr steuert viele Vorgänge im Körper, darunter Blutdruck, Stoffwechsel und Erholungsprozesse.
Dennoch handelt es sich nur um eine Beobachtung, dass Menschen mit kürzerer und zugleich unregelmäßiger Schlafperiode häufiger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse haben. Daraus lässt sich nicht sicher ableiten, dass unregelmäßiger Schlaf diese Ereignisse direkt verursacht. Auch andere Faktoren können eine Rolle spielen, etwa Stress, Arbeitszeiten, psychische Belastungen, bestehende Erkrankungen oder soziale Lebensumstände.
- Sleep timing irregularity in midlife: association with incident major adverse cardiac events and cardiovascular disease mortality over a 10-year follow-up. BMC Cardiovascular Disorders. 2026; doi: 10.1186/s12872-026-05762-4.
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.