Sprechstunde

Erholung nach Herz-OP: Wann können optimale Werte erzielt werden?

Ein Patient sorgt sich um nach einer Herz-OP veränderte Parameter. Der Experte ordnet diese Werte und die Bedeutung des subjektiven Empfindens ein.

Nach einer Operation am offenen Herzen fragt ein Patient, ob Ruhepuls und HRV wieder das frühere Niveau erreichen können und ob NT-proBNP schwanken kann. Der Experte betont, dass das Befinden entscheidend ist („Klinik schlägt Laborwerte“) und dass die Erholung nach einer Herz-OP viele Monate dauern kann. 

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Ich bin fast 45 Jahre alt und hatte vor einem Dreivierteljahr eine Operation am offenen Herzen. Der Grund war ein Vorhofseptumdefekt (ASD) mit falsch eingemündeter Lungenvene. Dies wurde korrigiert. Ich bekam im Krankenhaus Vorhofflattern. Das Antiarrhythmikum (Wirkstoff Flecainid) habe ich vor drei Monaten abgesetzt und ich nehme noch einen Betablocker (Bisoprolol). Mein Ruhepuls lag bei 66 vor der Operation, jetzt bei 70 bis 80, meine Zeit zwischen zwei Herzschlägen (HRV) liegt bei 5 seit dem Eingriff. 

Ich fühle mich nicht besser oder schlechter als vor der OP. Ich mache sehr viel Sport und Entspannungsübungen, aber mein Herz scheint sich nicht zu erholen. Werde ich wieder meinen Ruhepuls wie vor der OP erreichen? Die HRV macht mir auch Sorgen. Kann der Wert des Herzinsuffizienzmarkers NT-proBNP schwanken? Er war niedriger nach der OP und steigt jetzt wieder. Meine Kardiologin sagt, dass es dauert. Gibt es hier Erfahrungswerte? (Milan T., Neustadt bei Coburg)

Expertenantwort:

Erst einmal ist es gut, dass Sie offensichtlich erfolgreich operiert worden sind. Die Beantwortung Ihrer Frage ist ohne die genaue Kenntnis Ihrer Befunde etwas mit Vorsicht zu genießen, aber hier ein paar Anhaltspunkte für Sie zur Orientierung. Das Wichtigste ist: Klinik schlägt Laborwerte. Das soll heißen, wenn Sie sich gut fühlen, sollten Sie diesem Gefühl vertrauen. Die vollständige Erholung nach einer Herz-OP kann viele Monate (meines Erachtens auch immer mal bis zu einem Jahr) dauern. Hierbei würde ich die Erholung nicht anhand von Werten, sondern anhand Ihres Befindens beurteilen.

Langfristig sollten sich jedoch natürlich, vorausgesetzt es liegen keine Restbefunde vor (das heißt normaler Herzrhythmus, kein Vorhofflattern, normaler Lungenvenenfluss nach OP und vollständiger Defektverschluss), auch die Werte wieder auf das Ausgangsniveau verbessern. Dies kann jedoch dauern, da ja nicht nur ein „Loch“ verschlossen wurde, sondern damit auch die gesamte Belastung des Herzens im positiven Sinne neu geordnet worden ist. Diese Anpassung kann dauern. Ob Sie am Ende eine Verbesserung verspüren werden, kann man nicht sicher sagen. Dies hängt davon ab, ob Ihr Herz nach der sehr langjährigen Mehrbelastung in der Lage ist zu remodelieren, das heißt die entstandenen Belastungserscheinungen zurückzubilden. 

Wie dem auch sei, das wesentliche Ergebnis des Eingriffs ist sicher, nämlich dass für die Zukunft eine schwerwiegende weitere Schädigung des Herzens und der Lunge durch Überlastung abgewendet ist. Es wurde sozusagen eine Prophylaxe der weiteren Verschlechterung betrieben. Ich hoffe, diese Anhaltspunkte helfen Ihnen weiter.

Experte

Prof. Dr. med Christian Paech
Prof. Dr. med. Christian Paech MHBA

Herzfehler im Erwachsenenalter

Unser Experten-Ratgeber für EMAH (Erwachsene mit angeborenem Herzfehler) informiert über Nachsorgeprogramme, typische Langzeitprobleme und deren Behandlung, Prävention und Gesundheitsförderung, Bewegung, Ernährung sowie seelische und psychische Gesundheit.