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Cholesterinspiegel senken: Was wirklich hilft

Was kann ich selbst tun und wann sind Medikamente nötig?

Ehepaar packt in Küche die Einkäufe aus
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Kaffee mit Sahnehäubchen, Salamibrötchen und ein Spiegelei: Wer auf sein Cholesterin achtet, fragt sich oft, ob solche Dinge überhaupt noch auf den Frühstückstisch dürfen. Denn zu hohe Cholesterinwerte – vor allem hohes LDL-Cholesterin – begünstigen Ablagerungen in den Gefäßen und erhöhen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. 

Doch wie stark lassen sich erhöhte Cholesterinwerte durch eine veränderte Ernährung und mehr Bewegung senken? Wann sind Medikamente nötig? In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Maßnahmen wirklich helfen, erhöhte Cholesterinwerte zu senken und warum die Behandlung auch vom persönlichen Herz-Kreislauf-Risiko abhängt.

Ist Cholesterin immer schädlich?

Cholesterin ist für unseren Körper lebenswichtig. Es dient unter anderem als Baustein für die Umhüllung unserer Zellen (Zellmembran), für Hormone wie Östrogen oder Testosteron sowie für Vitamin D und Gallensäure. Problematisch wird es jedoch, wenn sich zu viel Cholesterin an der falschen Stelle, etwa im Blut, befindet: Dann begünstigt es das Entstehen von Ablagerungen an und in den Gefäßwänden und kann so dem Herzen und den Gefäßen schaden. 

Im Blut zirkuliert das Cholesterin allerdings nicht einfach als freies Molekül, sondern verpackt in verschiedene Transporteinheiten aus Lipiden und Proteinen, die nach Größe und Gewicht anders benannt werden. „Von allen diesen Blutfetten ist das LDL-Cholesterin der wichtigste gut zu messende Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie in Leipzig und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. LDL steht für Low Density Lipoprotein.

Merke: Cholesterin stammt nur zum Teil aus der Nahrung und kommt dabei ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Meist wird der Großteil in der Leber und von anderen Körperzellen selbst produziert. Es gibt allerdings individuelle Unterschiede, wie ausgeprägt diese „Selbstherstellung“ ist. Das Gehirn reguliert dabei seinen Cholesterinstoffwechsel unabhängig von Blut und Leber.

Erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt

Es ist ein bisschen wie bei verstopften Wasserleitungen: Haben sich an den Rohren Kalk und Schmutz abgelagert, ist die Versorgung gefährdet. So ähnlich verändern sich über die Zeit auch die Arterien bei einem Überschuss an Cholesterin, das vom LDL transportiert wird: Es beginnt mit Schäden an der hauchdünnen inneren Auskleidung von Blutgefäßen. Diese sorgen dafür, dass sich unter anderem Cholesterin, Bindegewebszellen, Entzündungszellen, Zucker und mineralische Komponenten anheften können. Das Gefäß wird durch diesen Prozess weiter geschädigt, die Ablagerungen („Verkalkungen“) verengen zunehmend die Gefäße, die dadurch auch weniger elastisch werden. Der Blutdurchfluss wird schlechter. 

Besonders gefährlich wird es, wenn einzelne empfindliche Ablagerungen, sog. instabile Plaques, einreißen oder aufplatzen und sich ein Blutgerinnsel bildet. „Das kann plötzlich zum Herzinfarkt, zum Schlaganfall oder anderen Durchblutungskomplikationen führen“, so Prof. Laufs. Dieser Zusammenhang ist in vielen Studien nachgewiesen worden. Die gute Nachricht: Instabile Plaques können wieder stabilisiert werden. Die LDL-Cholesterinsenkung spielt dabei eine wesentliche Rolle. 

Wie merke ich, dass mein Cholesterin zu hoch ist?

Erhöhte Cholesterinwerte bleiben meist lange unbemerkt, da sie in der Regel keine Beschwerden verursachen. In der Gefäßinnenhaut von Arterien gibt es keine Nervenendigungen, die bei einer Schädigung entsprechende Schmerzsignale senden könnten. „Rauchen, Blutdruck, Cholesterin, Diabetes tun daher nicht weh“, so Prof. Laufs. 

Nur selten zeigen sich äußere Anzeichen wie bestimmte Hautveränderungen. Erst wenn es zu ausgeprägten Ablagerungen in den Gefäßen kommt, können Symptome auftreten – etwa in Form von Brustenge oder Atemnot bei Belastung infolge einer eingeschränkten Blut- und Sauerstoffversorgung.

Der Fettstoffwechsel-Experte empfiehlt daher, beim allgemeinen Check-up in der Hausarztpraxis eine Blutuntersuchung machen zu lassen, bei der nicht nur das Gesamtcholesterin bestimmt wird. Für eine genauere medizinische Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos ist nämlich die Zusammensetzung der einzelnen Fraktionen wichtig, also von LDL-Cholesterin, HDL/nonHDL sowie Triglyzeriden. Auch der Lipoprotein(a)-Wert sollte einmalig bestimmt werden. 

Wichtig für Frauen: Nach der Menopause steigt ihr LDL-Cholesterinspiegel aufgrund der Hormonveränderung häufig an und oft auch der Lp(a)-Wert. „Dieser im Vergleich zu Männern „verspätete“, aber relevante Risikoanstieg für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird noch zu wenig beachtet. Ab Beginn der Menopause sollte das Lipidprofil daher regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls angepasst werden“, rät Prof. Laufs.

Welche Ursachen haben erhöhte Cholesterinwerte?

Erhöhte LDL-Werte im Blut sind im Wesentlichen durch erbliche Veranlagung bedingt. Zusätzlich können sie durch einen ungesunden Lebensstil – fett- und kalorienreiche Ernährung und wenig Bewegung – erhöht werden. Spezifische Änderungen im Erbgut können schon im frühen Kindesalter zu deutlich erhöhten Werten führen. Dann spricht man von der familiären Hypercholesterinämie. Zudem können verschiedene Erkrankungen (etwa der Schilddrüse) und manche Medikamente die Cholesterinwerte erhöhen (sekundäre Hypercholesterinämie).

Neben einer erblichen Veranlagung können folgende Faktoren erhöhte Cholesterinwerte begünstigen:

  • Bewegungsmangel
  • Adipositas
  • Fettreiche Ernährung (v. a. mit gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren)
  • Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
  • Leber- und Nierenerkrankungen
  • Lymphdrüsenkrebs (Lymphome)
  • Hormonveränderungen in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren
  • Medikamente wie Glukokortikoide, Gestagene und Androgene

Wahl der Therapie hängt vom individuellen Risiko ab 

Ist ein Patient mit geringgradig erhöhten LDL-Werten zum Beispiel zwar leicht übergewichtig, hat aber keine weiteren Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder einen Diabetes, gehört er der Gruppe mit niedrigem Risiko an. Dann reicht meist eine Umstellung des Lebensstils aus. 

Anders sieht es bei Patienten aus, die bereits eine chronische Vorerkrankung haben, oder bei Betroffenen mit familiärer Veranlagung: Hier sind zusätzlich sogenannte Lipidsenker nötig. Das gilt auch für die Gruppe der Hochrisikopatienten, die bereits eine Gefäßerkrankung haben oder schon einen Herzinfarkt hatten. Hier richtet sich die Deutsche Herzstiftung nach den Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, das LDL-Cholesterin, soweit wie möglich und dauerhaft zu senken, damit das Risiko für zukünftige Herz-Kreislauf-Ereignisse möglichst gering bleibt. „Anders als bei Blutdruck kann es beim Cholesterinspiegel kein ‚zu niedrig‘ geben“, sagt Laufs.

Welche Cholesterinwerte sind normal – und welche LDL-Zielwerte gelten?

Wissenschaftliche Studien haben eindeutig ergeben: Je früher und je stärker LDL-Cholesterin gesenkt wird, desto weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle treten auf. Entsprechend den neuen Therapieempfehlungen werden in Abhängigkeit von der individuellen Gesundheitssituation folgende LDL-Werte angestrebt:

  • Für gesunde Menschen mit niedrigem Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, also ohne Risikofaktoren, gilt ein LDL-Cholesterinwert unter 116 mg/dl (<3,0 mmol/l) als Zielwert.
  • Bei gesunden Menschen mit mäßig erhöhtem Risiko, beispielsweise durch Übergewicht oder leicht erhöhtem Blutdruck, sollte der LDL-Cholesterinwert unter 100 mg/dl (<2,6 mmol/l) liegen.
  • Für Patienten mit hohem Risiko, beispielsweise Menschen mit ausgeprägtem Bluthochdruck, genetisch bedingten hohen Cholesterinwerten oder Raucherinnen und Rauchern, sollte ein LDL-Cholesterinwert von unter 70 mg/dl (<1,8 mmol/l) angestrebt werden.
  • Bei Patienten mit sehr hohem Risiko liegt der LDL-Cholesterin-Zielwert unter 55 mg/dl (<1,4 mmol/l). Das betrifft die meisten Patienten mit Herzerkrankungen und solche mit Diabetes. Für Patienten mit sehr hohem Risiko, die innerhalb von zwei Jahren unter einer Statintherapie ein zweites Herz-Kreislauf-Ereignis erleiden, sollte ein LDL-Zielwert unter 40 mg/dl (unter 1,0 mmol/l) in Erwägung gezogen werden.

Cholesterin senken durch Ernährung: Was bringt es wirklich?

Cholesterin ist ein ganz wichtiger Faktor beim Entstehen von Gefäßverkalkungen. Dennoch sollte es nicht isoliert als einzelner Faktor für die Herzgesundheit betrachtet werden, wie Prof. Laufs betont. „Wir behandeln nicht eine Zahl auf dem Zettel, sondern viele Faktoren wirken zusammen schützend auf unsere Gefäße.“ Und damit kommt auch dem Lebensstil eine große Bedeutung zu. So trägt – in Kombination mit Bewegung – eine gesunde, kalorienbewusste Ernährung mit möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln, Gemüse, vielen Ballaststoffen sowie hochwertigen Pflanzenölen (Oliven-, Raps-, Lein- und Walnussöl), dafür wenig hochverarbeitete Fleisch- und Wurstwaren, dazu bei, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden und gesund zu altern. 

Wer zu Haferflocken, Haferkleie, Hülsenfrüchten wie Bohnen, Linsen und Erbsen sowie Obst wie Himbeeren, zu Pilzen und bestimmten Gemüsesorten wie Karotten, Brokkoli und Artischocken greift, ernährt sich zugleich cholesterinbewusst. Gerade die unverdaulichen Bestandteile pflanzlicher Lebensmittel können dann die LDL-Konzentration im Blut auch etwas senken. 

Je nach Ausgangslage bei der Ernährung ist der Effekt deutlicher oder nur gering: Bei Menschen mit Übergewicht und einer sehr cholesterinreichen Ernährung, zum Beispiel mit vielen frittierten Speisen, wirkt sich eine Gewichtsreduktion und Umstellung auf viel frisches Gemüse und Ballaststoffe meist merklicher aus als bei jemandem, der sich bereits weitgehend gesund ernährt hat. 

In der Regel ist mit verbesserten Ernährungsverhalten allerdings nur ein Absenken des Cholesterinwertes um zehn Prozent, manchmal auch 20 Prozent möglich. Das reicht bei einer Ausgangslage von zum Beispiel 160 mg/dl allerdings nicht aus, um in den gewünschten LDL-Zielbereich zu kommen. „Es gibt mitunter schlanke Menschen, die sich gesund ernähren und Sport treiben, und die dennoch zu hohe Cholesterinwerte aufweisen”, verweist Laufs. Denn der Cholesterinspiegel ist im Wesentlichen genetisch bedingt.

Haferflocken-Diäten werden immer wieder als besonders gut zur Cholesterinsenkung empfohlen. Der Effekt wurde unlängst genauer untersucht: Für eine Studie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn aßen die Testpersonen dreimal täglich zwei Tage lang je 100 Gramm in Wasser aufgekochte Haferflocken mit Obst oder Gemüse. Der LDL-Cholesterinwert sank durch diese – recht einseitige – Diät um zehn Prozent. Zudem verloren die Probanden an Gewicht, der Blutdruck sank leicht. Die positiven Effekte hielten nach der Hafer-Kur noch weitere sechs Wochen an. Auch diese Studie zeigt, so Prof. Laufs: „Haferflocken haben zwar einen Effekt. Aber wer wirklich hohe Cholesterinwerte hat, kann damit allein kein ausreichendes Absenken erreichen.“ Wichtiger als einseitige Maßnahmen sei ohnehin eine ganzheitliche Prävention.  

Ähnlich ist es auch mit Nahrungsmitteln, die den Ruf haben, natürlich cholesterinsenkend zu wirken: Laufs verweist auf Pflanzenöle oder Nüsse, die reich an ungesättigten Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren sind. „Auch hier darf man nicht erwarten, dass das Cholesterin runtergeht, wenn man zum Beispiel statt Butter nur noch Olivenöl zum Kochen verwendet“, sagt Laufs. Dennoch ist es richtig, diese Nahrungsmittel in den Speiseplan aufzunehmen, weil sie nachweislich die Herzgesundheit fördern. Bei den Ölen sind auch keine exotischen und überteuerten Varianten wie etwa Distelöle aus der Sahara nötig: Heimisches Rapsöl oder gutes Olivenöl sind völlig ausreichend.

Nein. Letztlich erhöht eine Zufuhr von Cholesterin über die Nahrung den LDL-Cholesterinwert im Blut bei den meisten Menschen nur geringfügig. Eier, Butter, Wurst oder Käse dürfen daher in gemäßigten Mengen auf dem Speiseplan stehen – „sofern die Kalorienzufuhr nicht zu Übergewicht führt“, so der Kardiologe. Dass die Lebensmittel an sich viel Cholesterin enthalten, spiele eine untergeordnete Rolle. Insbesondere eine Adipositas-Erkrankung (starkes Übergewicht) vergrößert hingegen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Fettarme Käse- und Wurstsorten sind daher vorzuziehen.

Für Nahrungsergänzungsmittel wie Zimt, Knoblauch, Omega-3-Fettsäuren oder pflanzliche Sterole gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg für einen nennenswerten cholesterinsenkenden Effekt. „Positive Einzelfallberichte sind kein Beweis für eine generelle Wirksamkeit.“ Laufs warnt in diesem Zusammenhang vor allem vor dem Verzehr von Rotschimmelreis – pur oder als Nahrungsergänzungsmittel. „Zwar ist es richtig, dass dieser eine Substanz enthält, das Monacolin K, das chemisch ebenso wirkt wie bestimmte Statine.“ Aber die Wirkung sei überschaubar und der unkalkulierbare Gehalt an Monacolin K sowie potenzielle Verunreinigungen seien sogar mitunter gesundheitsgefährdend. 

Zudem unterliegen Nahrungsergänzungsmittel nicht den gleichen Qualitätskontrollen wie Medikamente. So kann es nicht nur zu teils gefährlichen Verunreinigungen kommen. Es müssen auch nur 50 Prozent des angegebenen Inhalts eines Nahrungsergänzungsmittels mit der Beschriftung auch tatsächlich übereinstimmen. Daher sind Nahrungsergänzungsmittel zur Senkung des Cholesterins nicht zu empfehlen.

Hohe Triglyzeride – hier ist der Lebensstil besonders wirksam

Triglyzeride sind Hauptbestandteil von Fetten, die aus der Nahrung aufgenommen werden und gehören ebenfalls zu den gesundheitlich relevanten Blutfetten. Ist der Wert dieser Blutfette zu hoch, werden die Triglyzeride im Körper als Fettdepot eingelagert und tragen zur Entwicklung einer Fettleber bei. Sie fördern zusammen mit dem LDL-Cholesterin zudem Ablagerungsprozesse in den Gefäßen und Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Erhöhte Werte gelten somit als gesundheitlicher Risikofaktor.

Im Unterschied zum LDL-Cholesterin und zum Lipoprotein(a) sprechen hohe Triglyzeride in vielen Fällen sehr gut auf eine Ernährungsumstellung mit Verzicht auf einfache Kohlenhydrate und mehr Ballaststoffe an. Denn einfache Kohlenhydrate, die insbesondere in zuckerreichen Lebensmitteln, Limonaden, Fertigprodukten und Weißmehlprodukten enthalten sind, wandelt unser Körper schnell in Zucker und den Energielieferanten Glucose um. Das führt zum einen zu Blutzuckerspitzen und Heißhungerattacken, was Diabetes und Übergewicht fördert.

Zum anderen wird überschüssiger Zucker in Fett umgewandelt, insbesondere in ungünstige Triglyzeride. Eine ballaststoffeiche Kost verlangsamt hingegen die Aufnahme von Zucker aus der Nahrung. Wer also den Konsum von „Süßem“ reduziert und mehr Nahrungsmittel mit komplexen Kohlenhydraten konsumiert, wie sie in Vollkornprodukten und ballaststoffreichem Gemüse und Hülsenfrüchten enthalten sind, verringert nicht nur die Triglyzeridbildung, sondern sorgt zugleich für einen ausgeglicheneren – und damit für die Gesundheit förderlichen – Blutzuckerspiegel. 

Welchen Einfluss haben Rauchen und Alkohol auf die Blutfettwerte? 

Ein Rauchstopp ist essenziell, sagt Ulrich Laufs. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, ist bei Rauchern mindestens doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern. Die Stoffe im Zigarettenrauch beschädigen die schützende Innenschicht der Blutgefäße, so kann mehr Cholesterin in die Blutgefäßwand eindringen, der Prozess der Atherosklerose wird beschleunigt. Wer dagegen mit dem Rauchen aufhört, lebt besser: Nach 10 bis 15 Jahren Rauchstopp ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf ähnlichem Niveau wie das von Nichtrauchern.

Alkohol wiederum hat vor allem auf den Triglyzerid-Wert einen deutlichen Effekt. Denn Alkohol führt in der Leber zu einer vermehrten Bildung dieser Blutfette – und das bereits bei geringem Konsum. Hinzu kommt, dass Bier, Wein und süße Cocktails zusätzlich noch Zucker enthalten – und damit auch viele Kalorien. Übergewicht, insbesondere Bauchfett, kurbelt wiederum die Triglyzeridproduktion in der Leber an. Daher gilt insbesondere für Menschen mit erhöhten Triglyzeridwerten: Möglichst ganz auf Alkohol verzichten oder den Konsum so gering wie möglich halten.  

Welche Rolle spielt Bewegung bei der Cholesterinsenkung?

Regelmäßige Bewegung – am besten als Kombination von Ausdauer- und Krafttraining – ist extrem wichtig für die Herz-Kreislauf-Gesundheit. In allen großen Bewegungsstudien war zum Beispiel mehr Bewegung mit positiven Effekten auf die Gesundheit verbunden. Dabei ist allerdings nicht der Effekt auf die Blutfettwerte maßgeblich. „Die eindeutig positive Wirkung von Bewegung lässt sich nicht am Cholesterinwert ablesen“, betont Prof. Laufs. 

Dafür zeigen inzwischen kontrollierte Studien dass zum Beispiel schon nach wenigen Wochen mit einem gezielten Training ein Effekt auf Gefäßfunktionen und Blutdruck messbar sind. Teilweise wurde ein „Wirkmechanismus“ auch auf molekularer Ebene und anhand einer verbesserten Endothelfunktion nachgewiesen, das heißt, die Zellen der Gefäßinnenhaut arbeiten besser.

Bewegung sorgt dafür, dass Menschen letztlich auf vielen verschiedenen Ebenen profitieren, darunter:

  • einem niedrigeren Blutzuckerspiegel (geringeres Diabetesrisiko)
  • einer besseren Herzleistung (geringeres Risiko für Rhythmusstörungen)
  • einem verbesserten Fettstoffwechsel (mehr HDL und weniger Triglyzeride)
  • verbesserter Fettverbrennung (hilft bei der Gewichtsreduktion)
  • einer Gefäßerweiterung (fördert ein Absinken des Blutdrucks)
  • ein aktiviertes Immunsystem (geringe Anfälligkeit für Infektionen, Entzündungsprozesse)
  • verbesserte Fließeigenschaften des Blutes (Risiko für Blutgerinnsel sinkt)

„In Summe beeinflusst Bewegung die klassischen Risikofaktoren, die auch die Atherosklerose, also die Gefäßverkalkung antreiben“, fasst Prof. Laufs zusammen. Außerdem verringert regelmäßige Bewegung die arterielle Steifigkeit. Umbauprozesse im Herzen und in den Gefäßen werden positiv beeinflusst. Das gesamte Gefäßsystem von Herz, Nieren und Gehirn profitiert, was sich zum Beispiel in einem niedrigeren Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz, Diabetes und Krebs zeigt, wie der Kardiologe betont.

Wann sind Medikamente gegen hohe Cholesterinwerte nötig?

Statine sind die Mittel der Wahl, wenn es darum geht, zu hohe Cholesterinwerte bei Menschen mit mittlerem oder hohem Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu senken – also bei Menschen mit Diabetes, einer Nierenerkrankung oder einer familiären Vorbelastung. Sie blockieren ein wichtiges Enzym, das für die körpereigene Cholesterinbiosynthese verantwortlich ist. Die Leber und andere Zellen nehmen in der Folge mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut auf: Der messbare Cholesterinspiegel sinkt. Zudem werden Entzündungsprozesse in schon bestehenden Ablagerungen in den Blutgefäßen gebremst. 

Weitere mögliche Medikamente sind: 

  • Ezetimib, das die Aufnahme von Cholesterin im Darm reduziert
  • Bempedoinsäure, die erst in der Leber aktiviert wird, mit Statin-ähnlichem Wirkmechanismus
  • PCSK9-Inhibitoren, die auf die Regulation von LDL-Rezeptoren wirken und die vor allem bei ausgewählten Hochrisikopatienten eingesetzt werden.

„In der Regel bespricht die Ärztin oder der Arzt mit dem Patienten, welches Medikament für ihn am besten geeignet ist“, so Laufs. Dieses Prinzip der gemeinsamen Entscheidungsfindung (“shared decision making”) fördert nach seinen Erfahrungen durch das aktive Einbinden der Patienten deren Verständnis für die Behandlung und erhöht die Therapietreue, auch Compliance genannt.

Kann man Cholesterinsenker durch Ernährung und Bewegung ersetzen?

„Die positiven Effekte von körperlicher Bewegung und Nichtrauchen kann man nicht anhand des LDL-Cholesterinspiegels ablesen“, betont Herzexperte Laufs. Das gelte auch für eine herzgesunde mediterrane Ernährung. Diese Maßnahmen gehören immer zu einem umfassenden Therapiekonzept dazu. 

Bei hohen LDL-Werten ist jedoch häufig zusätzlich eine medikamentöse Therapie nötig. Eine Ausnahme bilden erhöhte Triglyzerid-Werte: „Hier ist der Lebensstil oft wichtiger als Medikamente“, sagt Laufs. Mit ausreichend Bewegung und bewusster Reduktion von Fett und Zucker im Essen, lassen sich hier erhöhteTriglyzerid-Werte deutlich verbessern oder sogar wieder normalisieren – ganz ohne Tabletten.

Fazit: Cholesterinsenkung hängt vom persönlichen Risiko ab

Hohe Cholesterinwerte – besonders ein hoher LDL-Cholesterinwert – sind ein Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie stark im Einzelfall der LDL-Cholesterinwert gesenkt werden sollte, hängt jedoch vom individuellen Risiko ab: Wer bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, Diabetes, Bluthochdruck oder eine familiäre Vorbelastung hat, sollte das LDL auf ein niedrigeres Niveau senken als Menschen mit geringem Risiko.

Regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht, herzgesunde Ernährung und ein normales Körpergewicht gehören immer zu den wichtigsten Maßnahmen für ein langes, gesundes Leben. Sie können nachweislich das Herz-Kreislauf-Risiko senken. Bei deutlich erhöhten LDL-Werten oder hohem Risiko reichen Lebensstilmaßnahmen allein jedoch nicht aus – dann stehen Medikamente mit nachgewiesener Wirksamkeit und guter Verträglichkeit zur Verfügung.

Wichtig: Hohe Cholesterinwerte verursachen meist keine Beschwerden. Lassen Sie Ihre Blutfette deshalb regelmäßig kontrollieren und besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Zielwerte und Maßnahmen für Sie persönlich sinnvoll sind.

Experte

Univ.-Prof. Dr. med. Ulrich Laufs
Prof. Ulrich Laufs

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  • 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. The Task Force for the management of dyslipidaemias of the European Society of Cardiology (ESC) and European Atherosclerosis Society (EAS). European Heart Journal (2020) 41, 111-188
  • Lancet (2019), 393, 407-415, doi: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31942-1
  • https://www.uni-bonn.de/de/neues/017-2026
  • https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41535271/