Sprechstundenfrage

Darf ich in die Infrarot-Sauna gehen?

Infrarot-Saunen entspannen & fördern die Gesundheit. Doch sind sie für Herzkranke geeignet? Erfahren Sie, worauf Betroffene achten sollten.

Frau sitzt in einer Infrarot-Sauna
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Der regelmäßige Saunagang ist für viele Menschen seit Jahrzehnten gelebte und geliebte Praxis sowie ein Stück Lebensqualität: Körper und Seele können entspannen, die gesundheitsfördernden Effekte regelmäßigen Saunierens für Herz, Kreislauf und Immunsystem sind bekannt. Statt Finnischer Sauna mit Elektro- oder Holzofen werden gerne platz- und energiesparende Kabinen mit Infrarotstrahlern genutzt.

Die Sprechstundenanfrage im Wortlaut

Seit vielen Jahren lese ich Ihre informativen Beiträge zum Thema „Herz“. Die vielen nützlichen Hinweise und Informationen haben mir sehr geholfen. Nun habe ich eine Bitte an Sie: Ist es möglich, dass Sie einen Beitrag zum Thema „Infrarot-Sauna“ vor dem Hintergrund von Herzerkrankungen erstellen? Die Hersteller stellen das sehr positiv dar. Mich würden fundierte medizinische Argumente interessieren: Können Herzkranke Infrarot-Saunen nutzen oder ist das bedenklich? (Marianne H, München)

Antwort des Experten

In der Tat ist das eine häufig gestellte Frage. Man kann sie unter der Überschrift „passive Wärmetherapie“ betrachten. Speziell zu Infrarot- und Finnischen Saunen sind in den vergangenen Jahren verschiedene Übersichtsarbeiten und Metaanalysen erschienen. Dabei zeichnet sich die Infrarotsauna durch eine vergleichsweise niedrige Luftfeuchtigkeit und nur moderate Wärme aus. Die Studienergebnisse sprechen für einen kurzfristigen Nutzen, insbesondere bei Herzschwäche – die verantwortungsvolle Anwendung vorausgesetzt.

So waren in einer schwedisch-finnisch-japanischen Metaanalyse Studien von Männern und Frauen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz, Grad II-IV) ausgewertet worden, die u.a. mehrmals wöchentlich die sogenannte Waon-Therapie genutzt hatten (1). Dabei handelt es sich um eine Infrarot-Sauna mit einer Temperatur von 60°C, denen man sich für 15 Minuten aussetzt, gefolgt von 30 Minuten Ruhe, dies fünf Mal pro Woche über zwei bis vier Wochen. Es ließen sich statistisch signifikante günstige Effekte auf mehrere Herzschwäche-typische Parameter nachweisen, z.B. ein verbesserter Laborwert BNP und eine verbesserte Arbeit der linken Herzkammer. Eindeutige Effekte auf den Blutdruck oder kardiale Strukturen gab es nicht – bei allerdings nur kurzer Beobachtungszeit von maximal vier Wochen. Als unmittelbare Nebenwirkungen treten eine etwas verminderte Blutmenge aufgrund erhöhter Urinausscheidung auf, was in einem erniedrigten Blutdruck resultiert. Schwerwiegende Komplikationen wurden nicht berichtet. Aus methodischen Gründen ließen sich keine Unterschiede zwischen Menschen mit leicht- bis moderater Herzschwäche und solchen mit schwerer Herzschwäche untersuchen.

Bestätigt wurden diese Ergebnisse durch eine chinesischer Arbeitsgruppe, die 16 Studien ausgewertet hat (2). Kurzfristige Effekte regelmäßiger Saunagänge über zwei bis vier Wochen (Waon-Therapie) sind zum Beispiel eine verbesserte Funktion der linken Herzkammer, Blutdrucksenkung und verbesserte körperliche Belastbarkeit. Die Herzgeometrie scheint sich ebenfalls zu verbessern, zusätzlich bei einigen wenigen Patienten auch der der Grad der Herzschwäche.

Als mögliche Ursachen für günstige Effekte der Infrarot-Sauna werden diskutiert (1):

  • verbessere Gefäßelastizität und Durchblutung,
  • reduzierte Entzündungsaktivität und weniger oxidativer Stress,
  • Modulation des autonomen Nervensystems.

Als weitere Effekte passiver Wärmetherapien (Finnische Sauna, Waon-Therapie, Whirlpools, Hydrotherapie) werden u.a. berichtet (3)

  • Senkung des Blutzuckers und verbesserte Insulin-Empfindlichkeit der Gewebe,
  • Senkung des Blutdrucks
  • verbesserte Fettverbrennung,
  • verbesserte Lungenfunktion,
  • Schmerzlinderung bei Arthrose, rheumatoider Arthritis und Fibromyalgie,
  • verbesserte Schlafqualität,
  • verbesserte Immunantwort mit reduziertem Risiko für Atemwegsinfektionen.

Finnische Sauna bei KHK: Keine Verbesserungen, aber auch kein Risiko

In einer kanadischen Studie (4) konnten bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK) maximal vier Mal wöchentliche Besuche der Finnischen Sauna (80-90°C bei ca. 13 % Luftfeuchte für 10-15 min, gefolgt von kalter Dusche und Ruhephase) über insgesamt acht Wochen keine objektiven Verbesserungen der Gefäßgesundheit bewirken, negative Auswirkungen hatte das Saunieren aber auch nicht. Eine kleine japanische Studie (5) ergab, dass die Waon-Therapie (Infrarot, s.o.) bei Patienten mit chronischem Komplettverschluss einer Koronararterie für eine verbesserte Herzmuskeldurchblutung sorgen und die körperliche Belastbarkeit etwas erhöhen kann. Auch für Patienten mit Herzkammerarrhythmie bei chronischer Herzschwäche existiert ein positiver Bericht (6).

Sicherheitshinweise:

Bei unsachgemäßer und übermäßiger Anwendung von Infrarotstrahlung können Risiken für die Augen oder die Haut bestehen. Gegebenenfalls sollte eine Schutzbrille getragen werden, Hautaustrocknung sollte mit adäquate Hautpflege (Feuchtigkeitscremes, Lotionen) entgegengewirkt werden. Eine starke Entwässerung durch zu starke und zu lange Überwärmung ist zu vermeiden, gerade auch bei vorhandenen Nierenschäden. Sollte ein kardiovaskuläres Ereignis wie ein Angina-pectoris-Anfall oder ein Herzinfarkt vorangegangen sein, kann bei Wohlbefinden durchaus in den folgenden Tagen die Infrarotsauna wieder genutzt werden. Wichtig ist aber die allmähliche, schonende Anpassung an die neue Temperatur, also etwa eine langsame Steigerung auf z.B. 60°C. Dabei sollte eine Begleitperson anwesend sein.

Unbedingt vermeiden sollten Herz- und Gefäßkranke eine plötzliche Kälteexposition nach der Sauna, also eine kalte Dusche oder gar ein Eisbad. Wenn überhaupt, dann sollte man zunächst nur Hände und Füße allmählich abkühlen mit langsamer Gewöhnung an den Temperaturunterschied, z.B. mit lauwarmem Wasser.

Mein Fazit und Rat an Sie: 

Die Nutzung einer Infrarot-Sauna (leichte Überwärmung des Körpers in trockener Luft) ist für Menschen mit Herzschwäche prinzipiell möglich und kann günstige Effekte haben. Auch für Menschen bei koronarer Herzkrankheit (KHK) sind positive Wirkungen beschrieben. Für Patienten mit anderen Herzerkrankungen lassen sich nur bedingt fundierte Aussagen treffen. Regelmäßige Infrarot-Saunabesuche (60°C für 15 min mit nachfolgender Ruhezeit für 30 min) haben wahrscheinlich günstige kurzfristige Effekte für Herz und Gefäße und können den Nutzen körperlicher Aktivität erhöhen (7). Sie können zusätzlich zur Standardtherapie von Nutzen sein, als alleinige Therapie sind sie ungeeignet. Ausreichende Daten zu langfristigen Effekten fehlen. Ich empfehle die vorherige Absprache mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen, auch mit Blick auf Ihre aktuelle Medikation. Gehen Sie nicht in die Sauna, wenn Sie Alkohol getrunken oder Potenzmittel wie Viagra eingenommen haben. Gehen Sie, zumindest anfangs, nicht allein in die Sauna. Nutzen Sie die Sauna nur dann, wenn Sie sich wohlfühlen.

  1. Källström M, Soveri I, Oldgren J, Laukkanen J, Ichiki T, Tei C, Timmerman M, Berglund L, Hägglund H. Effects of sauna bath on heart failure: A systematic review and meta-analysis. Clin Cardiol. 2018 Nov;41(11):1491-1501. doi: 10.1002/clc.23077. Epub 2018 Nov 21. PMID: 30239008; PMCID: PMC6489706.
  2. Li Z, Jiang W, Chen Y, Wang G, Yan F, Zeng T, Fan H. Acute and short-term efficacy of sauna treatment on cardiovascular function: A meta-analysis. Eur J Cardiovasc Nurs. 2020 Feb 1;20(2):96-105. doi: 10.1177/1474515120944584. PMID: 32814462
  3. Laukkanen JA, Kunutsor SK. The multifaceted benefits of passive heat therapies for extending the healthspan: A comprehensive review with a focus on Finnish sauna. Temperature (Austin). 2024 Feb 25;11(1):27-51. doi: 10.1080/23328940.2023.2300623. PMID: 38577299; PMCID: PMC10989710.
  4. Debray A, Gravel H, Garceau L, Bartlett AA, Chaseling GK, Barry H, Behzadi P, Ravanelli N, Iglesies-Grau J, Nigam A, Juneau M, Gagnon D. Finnish sauna bathing and vascular health of adults with coronary artery disease: a randomized controlled trial. J Appl Physiol (1985). 2023 Oct 1;135(4):795-804. doi: 10.1152/japplphysiol.00322.2023. Epub 2023 Aug 31. PMID: 37650138.
  5. Sobajima M, Nozawa T, Ihori H, Shida T, Ohori T, Suzuki T, Matsuki A, Yasumura S, Inoue H. Repeated sauna therapy improves myocardial perfusion in patients with chronically occluded coronary artery-related ischemia. Int J Cardiol. 2013 Jul 15;167(1):237-43. doi: 10.1016/j.ijcard.2011.12.064. Epub 2012 Jan 13. PMID: 22244482.
  6. Kihara T, Biro S, Ikeda Y, Fukudome T, Shinsato T, Masuda A, Miyata M, Hamasaki S, Otsuji Y, Minagoe S, Akiba S, Tei C. Effects of repeated sauna treatment on ventricular arrhythmias in patients with chronic heart failure. Circ J. 2004 Dec;68(12):1146-51. doi: 10.1253/circj.68.1146. PMID: 15564698.
  7. Kunutsor SK, Laukkanen JA. Does the Combination of Finnish Sauna Bathing and Other Lifestyle Factors Confer Additional Health Benefits? A Review of the Evidence. Mayo Clin Proc. 2023 Jun;98(6):915-926. doi: 10.1016/j.mayocp.2023.01.008. PMID: 37270272

Experte

Prof. Dr. med. Axel Schmermund
Portrait von Prof. Axel Schmermund