Podcast

Herztherapie mit Hilfe künstlicher Intelligenz

Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind Schlagworte unserer Zeit. Wo profitieren Herzpatienten davon – heute und in Zukunft? Hören Sie rein.

Künstliche Intelligenz in der Herzmedizin
Adobe Stock / jittawit.21
Dr. Stefan Waller
© Waller

Alle Welt scheint derzeit von Digitalisierung, Chat GPT und künstlicher Intelligenz zu sprechen. Und tatsächlich profitiert auch die Herzmedizin bereits an vielen Stellen davon. Doch gibt es vielleicht auch Schattenseiten? Um das Für und Wider dreht sich diese Podcast-Folge mit dem Kardiologen Dr. Stefan Waller. Er arbeitet in einer kardiologischen Praxis in Berlin. Zudem ist er im Internet und auf den sozialen Kanälen mit verschiedensten Herzthemen multimedial als Dr. Heart präsent – unter anderem für die Herzstiftung. Hören Sie mehr!

Schnellere Therapie bei Herzinfarkt dank KI?

Zeit ist ein wichtiger Faktor bei Herzinfarkt und Schlaganfall. Kann künstliche Intelligenz (KI) helfen, solche zeitkritischen Prozesse zu beschleunigen? Auf dem amerikanischen Kardiologenkongress AHA wurden im Herbst 2023 Daten der ARISE-Studie (1) aus Taiwan vorgestellt, die darauf hindeuten. Für diese Studie wurden KI-basierte EKG-Auswertungen den ärztlichen Befundungen bei Patienten mit einem akuten Herzinfarkt gegenübergestellt. Denn das EKG kann deutliche Hinweise geben, ob es sich um einen Herzinfarkt mit einem kompletten Verschluss einer Arterie im Herzen handelt und dementsprechend schnellstmöglich auch wieder eine Durchblutung hergestellt werden sollte, um weitere Schäden zu vermeiden. Es zeigte sich dabei, dass durch die KI-basierte Auswertung des EKG ein Zeitgewinn von fast zehn Minuten bis zum Eingriff im Herzkatheterlabor erwirkt werden konnte bei einer hohen Genauigkeit der Vorhersage, dass ein akuter Herzinfarkt auch tatsächlich vorlag.

Britische Forscher der Universität Oxford haben zudem ein KI-Tool entwickelt, das möglicherweise auch bei Patienten ohne deutliche Verengung der Herzkranzgefäße erste Auffälligkeiten erkennen und dadurch das Risiko vorhersagen kann, ob ein Patient mit Brustschmerzen in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt erleidet. Die ersten Ergebnisse einer von der Britischen Herzgesellschaft unterstützten Studie (2) mit diesem Verfahren sind ebenfalls auf dem US-amerikanischen Kardiologenkongress vorgestellt worden. Dabei wurden die Daten von 40.000 Herzpatienten genutzt, die eine Computertomografie (CT) ihres Herzens erhalten hatten und ein KI-Programm, das mit Informationen über Veränderungen von Fettablagerungen in entzündeten Arterien – was auf ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko hinweisen kann – sowie mit Informationen über Verengungen der Arterien und anderen klinischen Risikofaktoren trainiert worden war. Tests an über 3.000 Patienten über einen Zeitraum von 7,7 Jahren ergaben, dass mit Hilfe des KI-Tools sich unabhängig und genau das Risiko für kardiale Ereignisse vorhersagen ließ. So hatten unter den Patienten, die keine Arterienverengungen hatten, diejenigen mit den höchsten Entzündungswerten in ihren Blutgefäßen ein mehr als 10-fach höheres Risiko für einen Herztod im Vergleich zu jenen mit niedrigeren Entzündungsgraden.

Redaktion

Ruth Ney
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1) AHA Scientific Sessions 2023: Artificial Intelligence Enabled Rapid Identification of ST-Elevation Myocardial Infarction Using Electrocardiogram (ARISE); https://www.acc.org/latest-in-cardiology/clinical-trials/2023/11/10/23/02/arise

2) Pressemitteilung der Universität Oxford: https://www.ox.ac.uk/news/2023-11-13-ai-tool-could-help-thousands-avoid-fatal-heart-attacks

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