Sprechstundenfrage

Geht eine Pollenallergie auch aufs Herz?

Allergien belasten vor allem die Atemwege. Erfahren Sie, ob dadurch auch das Herz-Kreislaufsystem belastet und Herzerkrankungen verschlimmert werden.

Aktualisiert: 13.10.2023

Frau schnupft sich im Hintergrund die Nase, im Vordergrund fliegen Pollen
Sandor Jackal

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut

Ich (60) bin eigentlich ziemlich herzgesund, bis auf leichten Bluthochdruck. Dagegen nehme ich Ramipril 5 mg ein. Was ist allerdings in jüngster Zeit feststelle, ist, dass ich häufiger mein Herz stark klopfen spüre und es unrhythmisch schlägt. Ich habe nun zufällig einen Bericht gelesen, dass eine Allergie solche Beschwerden am Herz auslösen kann. Es soll sogar einen Zusammenhang mit Herzinfarkten geben. Da ich eine Pollenallergie habe, die sich auch in den letzten Jahren vor allem im Frühjahr verschlimmert hat, so dass ich an manchen Tagen etwas schlechter atmen kann, bin ich jetzt in Sorge. Welche Gefahr besteht durch die Allergie für mein Herz?" (Marianne K., Offenbach)

Experten-Antwort

Allergien sind in Deutschland weit verbreitet. Sie gehören damit zu den Millionen von Menschen, die an einer allergischen Erkrankung leiden und zwar an der häufigsten Form, der Pollenallergie – auch gerne als Heuschnupfen bezeichnet. Nach einer aktuellen Auswertung von Krankenkassendaten hat die Zahl der davon Geplagten in den letzten Jahren vor allem bei älteren Menschen merklich zugenommen. Nach KKH-Zahlen stieg z.B. in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen die Zahl der Menschen mit Heuschnupfen-Diagnose in den vergangenen zehn Jahren um etwa ein Drittel, bei den 70- bis 74-Jährigen verdoppelte sie sich sogar fast.

Als ein Grund wird hier der Klimawandel diskutiert, da wärmere Temperaturen die Pollensaison verlängern und die produzierte Pollenmenge erhöhen. Zugleich tauschen immer neue Pflanzen und damit allergene Pollen in unseren Breitengraden auf, die unser Immunsystem als fremd erkennt und darauf reagiert. Und schließlich ist auch die zunehmende Luftverschmutzung, etwa durch Feinstaub, eine zusätzliche Belastung der Atemwege.

Auslöser der typischen Allergiebeschwerden ist das Gewebshormon Histamin, das bei einer allergischen Reaktion z.B. auf Polleneiweiße von unseren Immunzellen ausgeschüttet wird. Zudem werden Entzündungsbotenstoffe freigesetzt. Durch Histamin werden dann u.a. die Blutgefäße erweitert, die Blutzufuhr wird lokal gesteigert.

Histamin kann allerdings auch die Gefäßweite der Herzkranzgefäße (Koronargefäße) beeinflussen. So ist bekannt, dass bei einer Histaminintoleranz unter Umständen Herzrasen und Herzstolpern (Extrasystolen) auftreten. Das sind jedoch meist harmlose Herzrhythmusstörungen. Manche Patienten berichten zudem, so wie Sie, von spürbarem Herzklopfen (Palpitationen).

Was das Herz allerdings auf Dauer belastet, ist eine Verengung der Bronchien. Nahezu 40 Prozent aller Menschen, die unter Heuschnupfen leiden, erkranken irgendwann – meist schleichend – an chronischem bronchialem Asthma. Viele Allergiker unterschätzen diesen sogenannten „Etagenwechsel“, der mit zunehmender Kurzatmigkeit bis hin zu Atemnot einhergeht.

Ursache ist eine Verdickung der Lungenschleimhaut durch Entzündungsprozesse. Der Druck in den Blutgefäßen der Lunge steigt und das Herz muss gegen einen viel größeren Widerstand anpumpen. Die Folge: Der Herzmuskel verdickt sich, die Pumpleistung des Herzens wird erschwert. Es gibt auch Hinweise, u.a. aus einer norwegischen Studie (1), dass durch Asthma möglicherweise das Entstehen von Vorhofflimmern begünstigt wird.

Die Sorge, dass eine Pollenallergie an sich einen Herzinfarkt auslösen kann, ist hingegen unbegründet. Zwar haben kanadische Wissenschaftler vor einigen Jahren in einer Studie Hinweise gefunden, dass Pollen mit einem erhöhten Infarktrisiko verbunden sein könnten (2). So kamen an Tagen mit starkem Pollenflug mehr Menschen mit einem Herzinfarkt in eine Notaufnahme als an Tagen mit schwacher Belastung. Die stärkste Assoziation zwischen Pollenflug und Infarkten zeigte sich hierbei in den Monaten Mai und Juni. Da aber bei den Herzinfarktpatienten nicht bekannt war, ob sie tatsächlich einen Heuschnupfen hatten, bleibt ein kausaler Zusammenhang hier fraglich. 

Was können Sie tun?

Wichtig ist, dass der Heuschnupfen sich nicht zu einem allergischen Asthma weiterentwickelt. Hierzu ein paar Tipps:

  • Es stehen verschiedene antiallergische Medikamente zur Verfügung. Nehmen Sie diese regelmäßig während der Pollensaison ein bzw. lassen Sie sich beim Arzt beraten, welche für Sie geeignet sind. 
  • Fragen Sie nach, ob z.B. ergänzend ein kortisonhaltiges Nasenspray und/oder Asthmaspray während der Pollensaison hilfreich sein könnten, da diese nachweislich Entzündungsreaktionen in Zusammenhang mit einer Allergie mindern und den „Etagenwechsel“ ausbremsennnen. 
  • Verzichten Sie während der Hauptphase ihrer allergischen Beschwerden möglichst auf histaminreiche Lebensmittel wie Tomaten, Spinat, Sauerkraut, Hülsenfrüchte, gereifte Käsesorten, Schokolade, schwarzer Tee und Rotwein.  
  • Prüfen Sie, ob es Kreuzallergien zwischen den Pollen, auf die Sie reagieren, und Lebensmitteln gibt. So reagieren Betroffene mit Birkenpollenallergie oft auch auf Äpfel oder Nüsse. Das macht sich beim Verzehr meist durch einen plötzlichen pelzigen, kratzigen Effekt im Mundraum bemerkbar.  
  • Zu den Lebensmitteln, die sich positiv auf eine Allergie/Entzündungsreaktionen im Körper auswirken können, gehören Brokkoli, grünes Blattgemüse (Ausnahme Spinat), Holunder und schwarze Johannisbeeren sowie Petersilie. 
  • Lassen Sie bei nächster Gelegenheit auch Ihre Herzfunktion bei einem Routine-EKG prüfen, damit nicht eine mögliche andere Ursache ihrer Herzbeschwerden übersehen wird. 
  • Kontrollieren Sie weiterhin Ihren Blutdruck und nehmen Sie Ihren Blutdrucksenker regelmäßig ein.  

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
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Quellen: 

  1. Associations of Asthma and Asthma Control With Atrial Fibrillation Risk; JAMA Cardiol 2018;doi:10.1001/jamacardio.2018.1901 

  1. Airborne Pollen Concentrations and Emergency Room Visits for Myo­cardial Infarction: A Multicity Case-Crossover Study in Ontario, Canada. Am J Epidemiol 2016; https://doi.org/10.1093/aje/kwv252 

 

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