Sprechstundenfrage

Tipp: Als Herzpatient/in einen Hund zulegen?

Kürzlich wurde in der Herzstiftungs-Sprechstunde die Frage gestellt, ob etwas dagegenspricht, sich als Träger einer künstlichen Herzklappe einen Hund zuzulegen, z. B. weil vom Tier Erreger übertragen werden könnten, die eine Gefahr für die künstliche Klappe darstellen. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass ein Hund für Herzpatienten sogar empfehlenswert sein kann, wie in der folgenden Herzstiftungs-Sprechstunde ausdrücklich betont wird.

Die Sprechstunden-Frage im Wortlaut:

Vor vier Jahren habe ich eine künstliche Aortenklappe erhalten. Sie funktioniert gut, ich bin wieder in Vollzeit berufstätig und treibe Sport. Dennoch bin ich in vielen Dingen sehr vorsichtig geworden. Ich vermeide stärkere körperliche Belastungen und achte auf Hygiene, insbesondere auf meine Mundhygiene. Auch jede kleine Verletzung wird desinfiziert.

Leider meint meine Umgebung, ich würde es damit etwas übertreiben – manche können gar nicht nachvollziehen, was diese Operation für mich bedeutet hat. Nun möchte sich meine Frau nach Jahren wieder einen Hund anschaffen. Obwohl ich Tiere sehr mag, fühle ich mich bei dem Gedanken daran eher unwohl. So viel Freude ein Hund auch macht, er bedeutet auch Verpflichtung, Tierarztbesuche wegen Krankheiten, Wurmkuren, Zecken und so fort. Gerne würde ich wissen, ob es Regeln gibt, die ich beim Halten eines Haustieres einhalten sollte. Ist Herzklappenträgern eine Tierhaltung mit einer so großen Nähe wie beim Hund überhaupt zu empfehlen? Welche Risiken lauern hier? Für Ihren Rat bin ich sehr dankbar. (Alexander B., Mannheim)

Experten-Antwort:

Vorweg möchte ich Ihnen sagen, dass die Anschaffung eines Hundes oder auch eines anderen Haustieres keinerlei relevante Gefahr für Ihre implantierte Herzklappe bedeutet. Es sei denn, der Hund würde Sie beißen, was sich mit der Auswahl eines geeigneten Tieres aber sicherlich vermeiden lässt.

Aus kardiologischer Sicht kann die Anschaffung eines Hundes sogar einen äußerst positiven Aspekt haben. Denn erfahrungsgemäß bewegen sich Hundebesitzer durch das tägliche Spazierengehen mit dem Vierbeiner überdurchschnittlich viel. Das ist für das Herz-Kreislauf-System natürlich äußerst positiv zu bewerten, zumal Bewegungsmangel zu den größten Risikofaktoren für das Herz-Kreislauf-System zählt. Dabei sollte man nicht vergessen, dass viele Herzpatienten sich mit mehr Bewegung nicht nur fitter und gesünder fühlen, sondern es damit auch schaffen, die Einnahme von Medikamenten deutlich zu verringern.

Endokarditis-Prophylaxe nicht vergessen

Gegen Ihre Sorgfalt beim Desinfizieren kleinerer Verletzungen und bei der Mundhygiene ist nichts einzuwenden. Beim Thema Zahnpflege ist es noch wichtig zu wissen, dass für Menschen mit einer implantierten Herzklappe bei ärztlichen Eingriffen eine Endokarditis-Prophylaxe mit Antibiotika zu empfehlen ist, was auch für Eingriffe beim Zahnarzt und für eine intensive professionelle Zahnreinigung gilt.

Hintergrund-Info: Unser Körper setzt sich täglich mit den unterschiedlichsten Krankheitserregern auseinander. Schon beim einfachen Zähneputzen wird beispielsweise eine beachtliche Menge an Bakterien in die Blutbahn gespült. Da sich allerdings eine dauerhafte Antibiotika-Prophylaxe bei Menschen mit einer Herzklappenprothese nicht bewährt hat, wird dieser Patientengruppe die längerfristige Einnahme eines Antibiotikums heute nicht mehr empfohlen.

Meine Empfehlung:

Der Anschaffung eines Hundes, wie sich dies Ihre Frau wünscht, steht aus kardiologischer Sicht nichts im Wege. Wegen der vermehrten Bewegung für Sie als Besitzer kann dies sogar sehr zu begrüßen sein, vorausgesetzt man wird der Verantwortung gerecht, die mit der Anschaffung eines Hundes übernommen wird. Darüber hinaus empfehle ich, unverändert auf die von Ihnen genannten Hygiene-Maßnahmen zu achten inkl. Ihrer sehr bewussten Zahnpflege und Desinfektion kleinerer Verletzungen. Weitere Strategien, um Infektionen zu vermeiden, sind nicht vonnöten.

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10 Kommentare

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Evelyn B. Hamburg

Seit meinem 9. Lebensjahr hatte ich immer Hunde, jetzt bin ich 83 Jahre und habe immer noch einen Hund. Mein krankes Herz freut sich, mein Hund bringt mich über schlechte Zeiten,(Mein mann ist verstorben)Für meinen Hund muss ich da sein, ich liebe ihn und er mich auch unermesslich.

Heinz- Ulrich C Recklinghausen

Ich habe zwar keine Herzklappen- Prothese, leide aber an Bluthochdruck, habe 2 Stents, eine künstliche Hüfte und hatte im Dezember 2019 einen schweren Schlaganfall.Seit 3 Jahren haben wir einen mittelgroßen Hund (als Welpe bekommen),der sozial sehr gut eingestellt ist, nicht haart und auch bei Regenwetter (nasses Fell) absolut nicht riecht!Die tägliche Bewegung von ca. 2 Stunden tut uns sehr gut- abgesehen davon, dass uns dieses Tier unwahrscheinlich viel gibt!

K. Königswinter

Meine Tochter hat 2012 mit gerade mal 22 Jahren eine Herzklappenrekonstruktion und 2013 einen Herzstillstand. Danach Einpflanzung eines Defies. Danach war körperliche Anstrengung so gut wie unmöglich...Die hat sich dann einen kleinen Hund angeschafft, der wunderbar auch die Streichel-Bedürfnisse erfüllt hat. Danach ging es stetig bergauf. Meine Tochter nimmt zwar immer noch reichlich Medikamente, aber die geht wieder arbeiten, spazieren, tanzen. Sie hat sich toll erholt, dem Herz geht es erstaunlich gut, so sagen die Ärzte. Damit sich ein Herzpatient erholt braucht es Kampfgeist, Optimismus, Familie, positive Einstellung und vielleicht auch einen Hund, denn nur der richtige Hund kann sich auch in die Psyche des Menschen einfühlen. Gesunde Ernährung und Bewegung natürlich auch.

Ortrud S. Bensheim-Auerbach

Bin 82 Jahre, habe seit 40 Jahre große Hunde, sie alle haben mich so alt und gesund erhalten. Die besten Freunde, die man sich wünschen kann!!!

Harald L. Höhr-Grenzhausen

Vor 20 Jahren habe ich 4 Bypässe bekommen. Kurz nach der OP holte ich mir einen Schnauzer. Täglich fordert der Hund seine Bewegung im Freien ein, bei dieser Rasse mindestens 2 Stunden, demnach 8 bis 10 km am Tag, ca. 3.000 km im Jahr, in 20 Jahren mindestens 60.000 km mit sehr viel Spaß an der frischen Luft und hervorragendem Training für mein Herz.

Annette L. Neu Wulmstorf

Obwohl ich von einer Herzerkrankung nicht betroffen bin, lese ich mit Interesse Ihre Stellungnahmen in der Herz-Sprechstunde, die immer sehr ausführlich, verständlich, und somit hilfreich erfolgen. Dem zukünftigen Hundehalter sind dadurch Zweifel genommen worden, und das Ja zum Hund wird leichter fallen.

Klaus S. Heiligenhaus

Anlässlich eines Arzt-Patienten-Seminars (Herzwochen) hat der Vortragende Professor allen empfohlen: "Gehen Sie jeden Tag mit Ihrem Hund spazieren, auch wenn sie keinen haben!"

Ursula Heidelberg

Meine Hunde haben mich wieder gesunden lassen! Auch die Angst vor Infektionen ist immer weniger geworden, da ich beim Laufen in Wind und Wetter immer mehr abhärtete. Und wer schon einmal Hunde gestreichelt und mit ihnen geschmust hat, der weiß, dass das unglaublich erdet und den Blutdruck senkt. Mein Tipp: Gehen Sie in ein Tierheim und finden Sie dort Ihren Seelenfreund! Gerade auch ältere Hunde sind wunderbar, da sie oft schon etwas ruhiger sind als die ganz jungen und weniger anstrengend.

S. Langenargen

S. aus Langenargen (27.01.2020): Auch ich habe seit meiner Kindheit eine künstliche Aortenklappe. Die Bewegung und die tägliche Freude, die mir unsere Hündin, die wir als Familie seit 4 Jahren haben, möchte ich nicht missen!

Bernd H. Weideb

Ich habe seit 3 Jahren leider keinen Hund mehr. Seither stelle ich fest, dass mir die tägliche Bewegung von täglich mindestens eineinhalb Stunden in frischer Luft bei jedem Wetter fehlt. Aus Altersgründen kann ich mir leider keinen mehr anschaffen. Aber ein Hund ist nicht nur eine Bereicherung des Lebens, sondern tut auch der Psyche gut, ganz abgesehen von der zwangsläufig erforderlichen Bewegung!