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Die wichtigsten Fragen zur Endokarditis

Interview mit Prof. Meinertz zur Behandlung der Endokarditis

Was ist eine Endokarditis?

Wie der Name sagt, ist es eine Entzündung der Herzinnenhaut, in aller Regel durch Bakterien und besonders an den Herzklappen. Durch diese Entzündung der Herzklappen wird das Klappengewebe zerstört und letztlich werden die Klappen undicht und das Herz schwer belastet.

Wie kann es zur Endokarditis kommen?

Wenn Bakterien, lebende Bakterien ins strömende Blut kommen, dann können sie sich in allen Organen absiedeln, das nennt man Sepsis und wenn sie sich an den Herzklappen absiedeln, entsteht eine Endokarditis.

Wer hat ein erhöhtes Risiko eine Endokarditis zu entwickeln? 

Das sind alle Patienten die schon vorveränderte Klappen haben. Einen kleinen Herzklappenfehler, ein Mitralklappenprolaps, die schon operiert sind an den Herzklappen, Bioprothesen oder auch Kunstklappen oder an einer kongenitalen Herzkrankheit operiert sind. Diese Patienten haben alle eine erhöhte Gefährdung, wenn Bakterien in das strömende Blut kommen.

Wann ist eine Antibiotika-Behandlung notwendig?

Und das ist ganz wichtig. In früheren Zeiten und das ist noch nicht mal hundert Jahre her, war die Endokarditis durch Bakterien absolut tödlich, es konnte kein Mensch entrinnen, nach 1-2 Jahren waren alle Menschen tot. Denn Fortschritt haben die Antibiotika gebracht und die Herzoperationen und das heißt, Antibiotika müssen schon bei Verdacht auf das Vorliegen einer Endokarditis, nicht erst beim nachgewiesen Endokarditis-Befund eingesetzt werden. Vorher werden Blutkulturen abgenommen und dann wird behandelt und dann kann man dann später korrigieren, nach dem Ergebnis der Blutkulturen um welche Bakterien es sich gehandelt hat.

Unter welchen bestimmten Voraussetzungen, darf eine vorbeugende Antibiotika-Therapie bei Hochrisikopatienten erfolgen?

Früher war man relativ großzügig damit und hat schon bei der leisesten Gefahr gleich mit Antibiotika behandelt. Das hat sich als nicht richtig erwiesen. Sie wissen alle, die Antibiotika-Resistenzen haben unheimlich zugenommen, durch den vielen Gebrauch der Antibiotika. Heute ist man sehr restriktiv, sehr zurückhaltend und nur bei bestimmten hoch gefährdeten Patienten, zum Beispiel solche, wie Zustand nach Klappenersatz, Herzoperierte mit Fremdkörpermaterial, die werden vorbeugend vor bestimmten Eingriffen, beispielsweise Eingriffen an der Haut, Spaltung eines Furunkels oder Eingriffen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wenn sie mit bakteriellen Infekten zu tun haben, antibiotisch vorbehandelt. 

Können auch junge Menschen davon betroffen sein?

Ich erinnere mich an einen Patienten, der letzten Wochen, einen jungen Mann, der in die Praxis kam, schlecht aussah, es ging ihm schlecht, fahles Hautkolorit, Atemnot. Patient untersucht und man hörte sofort, dass zwei Herzklappen völlig undicht waren. Dann hat man die Laborwerte abgenommen und dann war sofort der Verdacht da, dass eine Endokarditis besteht, eine Endokarditis die leider schon ein paar Tage ging. Der Mann war drogenabhängig und durch die Injektionen von Drogen, durch nicht ganz saubere Kanülen, das kann man nie hundertprozentig immer sagen, dass das der Fall ist, hat er Bakterien in die Blutbahn sich geblasen quasi und die sind an den zwei Herzklappen stecken geblieben und haben die Herzklappen zerstört. Dieser Patient musste sofort antibiotisch behandelt werden und dann musste er auch herzoperiert werden. Gott sei Dank ist das gut gegangen, aber ein zweites Mal und er ist ja ein neuer Kandidat für eine Endokarditis, wenn er drogenabhängig bleibt, wird das wahrscheinlich nicht gut gehen. 

Warum ist der Endokarditis-Ausweis für Herzpatienten zu empfehlen?

Jeder Patient mit einer Gefährdung, durch eine Endokarditis, zum Beispiel der mit einer teilzerstörten Klappe, der herzoperierte Patient, der Patient mit einer künstlichen Herzklappe, der Patient mit einer angeboren Herzkrankheit die operiert ist, sollte wissen, was er tut im Falle einer bakteriellen Infektion, und zwar bakterielle Infektion hier zum Beispiel im Rahmen eines operativen Eingriffs, Zahnarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Operation an der Haut, einer bakteriellen Veränderung und in diesem Endokarditis-Ausweis, aus dem kann der Doktor entnehmen, wie gefährdet ist der Patient, was hat er überhaupt als Herzkrankheit und zweitens was muss er an Antibiotika geben und für welche Zeit und das steht da genau drin und diesen Patienten-Ausweis sollte der Patient ständig mit sich führen.  

Endokartis-Ausweis

Gefährliche Entzündung der Herzinnenhaut vorbeugen

Die Empfehlungen zur Endokarditis-Prohyplaxe sind als Ausweis im Taschenformat bei der deutschen Herzstiftung erhältlich. Legen Sie diesem ihrem behandelnen Arzt vor, sobald ein Eingriff ansteht.

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

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