Patientenstimme

„Herzbefundung wie eine Odyssee"

Nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit ab, kann das ein Warnsignal sein. Doch der Weg zur Diagnose ist manchmal steinig, wie Günther K. erzählt.

Mann sitzt auf einer Bank und reibt sich die Augen vor Müdigkeit
Photo by Bruno Aguirre on Unsplash

Alles nur Einbildung?

Seit Wochen spürte ich eine verminderte körperliche Leistung, starkes Schwitzen, schaffte kaum die Gymnastikübungen im Gesundheitsstudio und stand morgens „unausgeschlafen“ auf – alles Einbildung, so dachte sich mein Hausarzt (wie er mir später bedauernd offenbarte) ………

Bis zu einem Samstag im August 2007 nach einer Geburtstagsfeier mit Freunden in Neckargemünd: Den kurzen Weg zum Auto bergauf schaffte ich kaum, Schmerzen in der Brust, ausstrahlend in den linken Arm. Gott sei Dank, das Auto ist erreicht, tief atmend erhole ich mich in dem weichen Sitz, dann fahre ich nach Hause.

Aber am Montag gehst Du zum Arzt! – egal, ob eine dringende Büroarbeit ansteht, Du für eine Entscheidung verlangt wirst, oder Deine Schmerzen nur Einbildung sind und auch wieder vergehen. Der Sonntag verlief ruhig, aus Vorsicht beginne ich Aspirin zu lutschen, dann am Montag zum Hausarzt. Er hörte ein leises auffallendes Herzgeräusch: „Es muss nichts bedeuten, jedoch möchte ich Klarheit haben, also Blut abzapfen“.

Kein Herzbefund – also alles ok?

Ich werde bis Donnerstag krankgeschrieben, schone mich, versuche zur Ruhe zu kommen, lutsche weiter Aspirin. Die Blutwerte sind o. k. Also nichts mit dem Herzen, denke ich, grüble jedoch: Was könnte es denn sonst sein? Meine körperliche Leistung sinkt weiter, ich fahre viel Auto, um mich zu schonen.

Also nochmals zum Arzt, das EKG ist unauffällig, ein Herzultraschall-Untersuchung im Kreiskrankenhaus soll Klarheit bringen – ein Termin bei Prof. Dr. W. ist erst in einem Monat möglich, wegen der Ferienzeit sind alle anderen Fachärzte vor Ort in Urlaub. Ich beginne selbst zu suchen in den gelben Seiten. Ein Arzt in Heidelberg kann mich kurzfristig untersuchen. Ich parke mein Auto möglichst in der Nähe zur Praxis, einen weiteren Weg zu Fuß traue ich mir nicht zu, zu schwer ist meine Erschöpfung –

Ultraschall-Untersuchung am Herzen: Ich liege in einem dunklen kleinen Raum mit einem riesigen Gerät mit Leuchten und Schaltern. Ich höre das Pochen meines Herzens, es schlägt wie toll, es arbeitet normal: o. B., das heißt ohne Befund, es ist alles in Ordnung. Also doch Einbildung oder ein anderer krankhafter Befund?

Im Gespräch mit dem Arzt: „Ich kann nichts finden“! Auf meinen Einwand hin, ich schaffe kaum die Treppen eines Stockwerkes, ohne schlapp zu werden, außerdem habe ich ein schmerzhaftes Druckgefühl…, rät er mir, „Lassen Sie sich von ihrem Hausarzt ein Belastungs-EKG machen, ich bin nur Dienstleister, mein Bericht wird in einer Woche vorliegen, Ihr Hausarzt kann mich ja morgen anrufen.“ Also schnell einen Termin bei meinem Hausarzt, bevor er nächste Woche in Urlaub fährt und weiter fleißig Aspirin schlucken…

Mit der Auswertung des Belastungs-EKG war er nicht zufrieden, also Überweisung ins Schwetzinger Kreiskrankenhaus zur weiteren Untersuchung. Jedoch kann man als Kassenpatient nicht in ein Krankenhaus überwiesen, sondern nur eingewiesen werden; die Notwendigkeit einer Einweisung stand ja mangels geklärter Diagnose noch nicht fest. Möglich wäre daher nur ein Gang zur Notfallambulanz. Mein Hausarzt stimmte dem zu.

Gefäßverschluss und Stent

Stundenlanges Warten in den Gängen der Notfallambulanz – die stationär aufgenommenen Kranken wurden vorrangig untersucht. Nach vier Stunden der erlösende Ruf: „Herr K., was wollen Sie denn hier, so gesund wie Sie aussehen?“ – nochmals Schilderung meiner Symptome, nochmalige Untersuchungen …………  

Dann Hektik im Raum, Weißkittel rennen durcheinander. Ein zu hoher Blutwert weist auf einen akuten Herzinfarkt hin. „Wir müssen sofort operieren, ich habe den OP räumen lassen“, ruft mir der Professor zu. Zwei verstopfte Herzkranzgefäße, eines zu 99 Prozent, das andere zu 60 Prozent. Katheter an der Leiste hoch zum Herzen eingeführt, Stent gelegt. „Sie waren nahe dran an einer großen Herz-Operation mit einem Bypass“, so der operierende Arzt anschließend.

Alles gut gegangen

Nach der erfolgreichen Operation fünf Tage stationärer Aufenthalt und Reha in Bad Krozingen. Wie geht’s weiter? Bewusster leben, mehr bewegen, gesünder essen, sorgfältig die verschriebenen Medikamente einnehmen, regelmäßig untersuchen lassen. Bis jetzt hatte mein Herz Geduld mit mir, die Ärzte weniger.

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Wir möchten uns herzlich bei Günther K. bedanken, dass er uns an seiner persönlichen Herzerkrankung teilhaben lässt. Bitte beachten Sie, dass das Foto eine unbeteiligte Person zeigt und die in den Patientengeschichten enthaltenen Informationen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung ersetzen. Sie dienen ausschließlich einem informellen Austausch und sollen weder zur Selbstdiagnose noch zur Selbstbehandlung auffordern.

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Frau schaut auf Ihr Handy und bekommt eine Nachricht
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