Sprechstundenfrage

Kann meine Gewichtszunahme durch den Betablocker kommen?

Erfahren Sie, ob die Einnahme von Metoprolol wirklich zu unerwünschter, starker Gewichtszunahme führt und wie man dem entgegenwirken kann.

Aktualisiert: 01.09.2023

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut

Ich (geb.1952) nehme zweimal täglich morgens und abends Metoprolol 47,5 Milligramm ein. Ich habe nun in 18 Monaten rund 15 Kilogramm an Gewicht zugenommen. Kann das von dem Betablocker kommen? Ich bin so unglücklich darüber und möchte wieder abnehmen. Gibt es alternativ ein anderes Medikament?" (Petra H., Kiel)

Experten-Antwort

Leider stehen etliche Medikamentengruppe in Zusammenhang mit einer Gewichtszunahme. Dazu gehören manche Psychopharmaka, die etwa bei Depressionen verschrieben werden, und auch Glukokortikoide – kurz Kortison –, die bei längerfristiger Einnahme den Energieverbrauch senken und den Appetit erhöhen. Und auch Betablocker können je nach Substanz in unterschiedlichem Ausmaß in der Tat zu einer Gewichtszunahme führen. Das ist gerade bei Metoprolol häufiger der Fall. Im Durchschnitt wird hier jedoch nur von einer Zunahme des Körpergewichts um wenige Kilogramm berichtet (1-3 Kilogramm), die allerdings dafür oft hartnäckig auf den Hüften bleiben.

Es gibt mehrere Erklärungen für die Gewichtszunahme bei Metoprolol: zum einen durch direkte Effekte auf Grundumsatz und Wärmeproduktion des Körpers sowie eine verzögerte Magenentleerung und zum anderen durch indirekte Effekte. Dazu gehört, dass Patienten gerade in der Anfangsphase der Betablocker-Therapie häufig weniger Energie verspüren, weil das Herz nun langsamer schlägt, und sie sich dadurch eher ausruhen und weniger bewegen. Auch ein verändertes Hungergefühl bei einer veränderten Wärmeproduktion des Körpers kann dazu beitragen, dass Patienten eventuell mehr oder anders essen.

Eine deutliche Gewichtszunahme von 15 Kilogramm ist jedoch für Metoprolol völlig untypisch. Daher erscheint hier ein Arztbesuch ratsam, um alle anderen möglichen Ursachen einer Gewichtszunahme (Wassereinlagerungen, Schilddrüsenerkrankung etc.) auszuschließen. Denn Wassereinlagerungen in den Beinen, im Bauch oder in der Brust können zum Beispiel darauf deuten, dass sich eine Herzinsuffizienz verschlimmert hat. Nach Ausschluss von gravierenden Erkrankungen sollte dann ein konkreter Plan zur Gewichtsreduktion erstellt werden – eventuell zusammen mit einem Ernährungstherapeuten. Denn steigt das Gewicht, steigt meist auch der Blutzucker und damit das Risiko für Diabetes mellitus. Und das wirkt sich dann wieder ungünstig auf eine bestehende Herzerkrankung aus.

Sollte dennoch der Verdacht auch ärztlicherseits bestehen, dass diese enorme Gewichtszunahme durch Metoprolol verursacht wird, kann entweder ein Wechsel auf den Betablocker Nebivolol versucht werden. Bei diesem Betablocker, der ein wenig anders wirkt als Metoprolol, wird zumindest seltener über Gewichtsprobleme bei der Einnahme berichtet. Oder ihr Arzt wird einen Wechsel auf eine gänzlich andere Medikamentengruppe vorschlagen.

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
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