Wirkstoffe aus der Gruppe der SGLT-2-Inhibitoren (sogenannte Gliflozine wie Dapagliflozin) und GLP-1 Rezeptoragonisten (wie Semaglutid) senken nach bisherigen Studiendaten nicht nur den erhöhten Blutzucker – wie alle anderen Antidiabetika. Die neuen Substanzen schützen auch vor schwerwiegenden Herz- und Gefäßkomplikationen. Unklar war jedoch, ob ihr Nutzen vom Alter oder Geschlecht der Patienten abhängt. Besonders ältere Menschen werden in klinischen Studien oft weniger berücksichtigt, obwohl viele von ihnen an Diabetes leiden.
Dies haben Wissenschaftler nun näher untersucht. Sie haben dazu die Daten von über 300.000 Patienten aus verschiedenen Studien nach einheitlichen Kriterien überprüft und sowohl den Blutzuckerlangzeitwert (HbA1c) als auch schwere kardiale Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erfasst, die sogenannten MACE-Ereignisse (Major Adverse Cardiac Event). Verglichen wurde dabei der Effekt von drei modernen antidiabetischen Wirkstoffgruppen: SGLT-2-Hemmer, GLP-1-Rezeptoragonisten und DPP-4-Hemmern (sogenannte Gliptine wie Sitagliptin).
Herzereignisse traten unterschiedlich oft auf
Geschlechterunterscheide konnten bei der Auswertung unter den drei antidiabetischen Wirkstoffgruppen nicht nachgewiesen werden. Allerdings spielte das Alter der behandelten Typ-2-Diabeter eine interessante Rolle.
SGLT2-Hemmer: Bei älteren Menschen senkten sie den Blutzucker etwas weniger als bei Jüngeren. Trotzdem war ihr Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei älteren Patienten sogar größer.
GLP-1-Rezeptoragonisten: Hier zeigte sich ein gegenteiliger Trend. Diese Medikamente wirkten bei älteren Menschen besser auf den Blutzucker, aber der Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen war bei jüngeren Patienten stärker ausgeprägt.
DPP4-Hemmer: Sie hatten insgesamt einen geringeren Effekt und keinen klaren Einfluss auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Fazit
Die Ergebnisse der schottischen Forscher zeigen, dass moderne Diabetesmedikamente unabhängig vom Geschlecht wirken, während das Alter eher einen Einfluss zu haben scheint. Einschränkend weisen die Forscher allerdings darauf hin, dass andere Kriterien wie eine eingeschränkte Nierenfunktion oder eine Herzschwäche nicht berücksichtigt wurden.
Die Daten lassen auch keine sichere Aussage zu Therapieunterschieden bei über 80-Jährigen zu, weil Patienten dieser Altersgruppe kaum an den ausgewerteten Studien teilgenommen haben. Für eine bessere individuelle Therapieentscheidung müssten genau diese Punkte daher noch untersucht werden.
- Age and Sex Differences in Efficacy of Treatments for Type 2 Diabetes: A Network Meta-Analysis; JAMA. Published online February 3, 2025. doi:10.1001/jama.2024.27402
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.
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